Von Redaktion, Foto: TUM Campus Heilbronn
Ein Heilbronner Informatik-Student gründet eine NGO, gewinnt einen Award des Handelsblatt – und will nebenbei die öffentliche Verwaltung ins 21. Jahrhundert holen. Über einen, der Bürokratie nicht abschaffen, sondern besser machen möchte.
Bürokratie, das ist so ein Wort, bei dem die meisten sofort an Warteschlangen denken, an graue Flure und Formulare in dreifacher Ausfertigung. Florian Stupp sieht das anders. Für ihn ist Bürokratie kein notwendiges Übel, sondern eine Baustelle mit Potenzial. Und wer den jungen Mann reden hört, der am TUM Campus Heilbronn Information Engineering studiert, merkt schnell: Der meint das ernst.
Handelsblatt zeichnet Stupp als „Young Leader in GovTech“ aus
Stupp wurde vom Handelsblatt mit dem „Young Leaders in GovTech Award“ ausgezeichnet – einer Ehrung für junge Köpfe, die den öffentlichen Sektor voranbringen wollen. Für den Studenten ist der Preis Bestätigung und Ansporn zugleich. Wie er es in einer Mitteilung des TUM Campus Heilbronn formuliert: „Die Auszeichnung erfüllt mich mit großem Stolz und großer Dankbarkeit. Gleichzeitig ist sie ein wichtiges Signal: Bei der Staatsmodernisierung und dem Thema GovTech müssen wir Studierende und andere junge Talente viel stärker einbinden.“

Dass er dabei nicht nur redet, sondern handelt, zeigt sein konkretes Projekt: die Nichtregierungsorganisation „Public Makers“, die Stupp 2024 gegründet hat. Ihr Ziel ist es, jungen Talenten den Zugang zum öffentlichen Sektor zu erleichtern – über Hackathons, Workshops, Bootcamps und sogenannte Co-Creation-Formate, bei denen Studierende gemeinsam mit der Verwaltung an Lösungen arbeiten.
Über 400 Studierende in ganz Deutschland erreicht
Die Zahlen sprechen für sich: Laut TUM Campus Heilbronn konnte Public Makers bereits über 400 Studierende in ganz Deutschland für das Thema begeistern. Erste Lösungen, die etwa im „START Public Makers Lab“ entstanden sind, werden bereits in reale Anwendungen überführt. Das ist beachtlich für eine Organisation, die gerade mal ein gutes Jahr alt ist.
Stupp beschreibt die Ausgangslage nüchtern: „Wir stehen als Staat und Gesellschaft vor immensen Herausforderungen: vom demografischen Wandel bis hin zu einer Verwaltung, die gerade erst beginnt, technologische Potenziale im großen Stil zu nutzen.“ Die Antwort darauf liefert er gleich mit: „Durch Bildungsformate und gemeinsame Projekte mit der Verwaltung nutzen wir Innovationspotenziale und begeistern Studierende aller Fachrichtungen dafür, den Staat von morgen zu gestalten.“
Heilbronn als Lernort für Staatsmodernisierung
Dass er ausgerechnet am TUM Campus Heilbronn studiert, ist dabei kein Zufall. Stupp sagt über seinen Studienort: „Hier lerne ich genau das, was dem Staat oft fehlt: wie das technologisch Mögliche in reale Lösungen überführt werden kann.“ Der Bildungscampus in Heilbronn, an dem die Technische Universität München seit dem Wintersemester 2018/2019 mit Forschung und Lehre vertreten ist, bietet mit seinem Schwerpunkt auf digitale Transformation und Information Engineering genau das Umfeld, in dem sich Theorie und Praxis verbinden lassen.
Und während Stupp mitten in seiner Bachelorarbeit steckt, investiert er weiterhin viel Zeit in Public Makers. Sein Thema, das ganz oben auf der Agenda steht: „Die Digitalisierung erlaubt einen Wandel hin zu einem proaktiven Staat, der Bedürfnisse erkennt und Leistungen anbietet – eine sogenannte ‚Push-Government‘.“ Ein Allheilmittel sei die Digitalisierung allerdings nicht, wie er betont: „Bürokratie hat ein Imageproblem, aber sie erfüllt eine lebenswichtige Funktion: Sie schafft Ordnung und Nachvollziehbarkeit.“
Das ist es, was diesen Studenten von manchen Vereinfachern unterscheidet. Er will den Apparat nicht abreißen, sondern umbauen. Nicht weniger Staat, sondern besserer Staat. Und er tut das von Heilbronn aus, wo am Bildungscampus genau jene Verbindung aus Technologie, Forschung und Praxis entsteht, die es für solche Vorhaben braucht.