Von Redaktion, Fotos: HHN
Beim Tag der Lehre 2026 am Heilbronner Techcampus diskutierten rund 50 HHN-Lehrende einen Tag lang über Künstliche Intelligenz in der Hochschulbildung. Eine Gesprächspartnerin auf dem Podium war keine Person, sondern ein eigens trainiertes KI-Modell. Der Schwerpunkt der Veranstaltung lautete »KI trifft Didaktik«.
Auf dem Podium saß ein Professor, neben ihm sprach Dr. Alexis Neuberg über den Wandel der Lehrendenrolle im KI-Zeitalter. Eloquent, auf den Punkt, optimistisch. Nur dass es Dr. Alexis Neuberg im klassischen Sinne gar nicht gibt. Professor Patrick Balve hatte ein KI-Modell auf die Rolle einer KI-Expertin trainiert. Die Stimme aus dem Lautsprecher gehörte einer Software, die ihre eigene Disziplin reflektiert. Eine kleine Versuchsanordnung, die direkt vorführte, worüber der ganze Tag handelte.

Rund 50 Lehrende, ein Thema
Die Hochschule Heilbronn hatte für ihren diesjährigen Tag der Lehre den Fokus klar gesetzt. »KI trifft Didaktik«, am Heilbronner Techcampus, ein Tag lang. Rund 50 Lehrende der HHN nahmen teil. Die Veranstaltung bot laut Bericht der Hochschule eine Mischung aus Fachvorträgen, Diskussionen und Workshops. Zur Einordnung sprach zu Beginn Professor Ulrich Brecht, Prorektor für Studium und Lehre. Künstliche Intelligenz, so seine Beobachtung, beeinflusst nicht nur die Form, in der Lehre stattfindet, sondern auch deren Inhalte. Was Studierende heute lernen müssen, verschiebt sich, weil sich verschiebt, was Maschinen schon können.
Vom virtuellen Nachhilfecoach zur Prüfungsvorbereitung
In den Workshops am Vormittag ging es darum, wie sich KI im Alltag von Lehre und Studium nutzen lässt. Die Bandbreite der Anwendungsfälle, die der HHN-Bericht nennt, reicht vom virtuellen Nachhilfecoach bis zur personalisierten Prüfungsvorbereitung. Also vom unterstützenden Werkzeug für Studierende bis zum Format, das individuell auf Lerntempo und Wissenslücken reagiert. Monika Zellner von der Fakultät für Technik lobte gegenüber der Hochschule den Charakter der Veranstaltung: »Besonders gelungen finde ich den starken Praxisbezug der Veranstaltung. An der Hochschule betreiben wir keine Frontallehre, sondern binden KI direkt in den Lehrbetrieb ein. Das ist eine große Stärke der HHN.«

Die Mittagspause nutzten die Teilnehmenden für den Austausch über Fachgrenzen hinweg. Wer in der Mechatronik mit KI arbeitet, sieht andere Probleme als jemand aus den Wirtschaftswissenschaften. Genau darum geht es bei einem Tag wie diesem: dass die Erfahrungen sichtbar werden, die in den einzelnen Fakultäten bereits gemacht wurden.
Das Prüfungsproblem
Am Nachmittag standen die offenen Fragen im Mittelpunkt. In Kurzvorträgen ging es darum, wie sich Prüfungsaufgaben gestalten lassen, die nicht von einer KI gelöst werden können. Eine Diskussion, die deutsche Hochschulen seit dem Aufstieg generativer KI quer durch alle Disziplinen führen. Auch die Frage nach individueller Lernbegleitung durch KI wurde behandelt. Das Fazit der Mitwirkenden, so der Bericht der HHN: Künstliche Intelligenz biete Lehrenden und Studierenden viele Möglichkeiten, wenn sie verantwortungsvoll eingesetzt werde. Eine Formulierung, die so abgeklärt klingt, dass sie ihre eigene Programmatik gut versteckt. Verantwortungsvoll heißt auch: nicht alles, was technisch geht, ist didaktisch sinnvoll.
Spannungsfeld Fortschritt und Verantwortung
Der Tag der Lehre habe gezeigt, so die HHN in ihrem Bericht, wie viel fachliche Tiefe an der Hochschule zum Thema KI bereits vorhanden sei. Der Austausch über die Fakultätsgrenzen hinweg habe das sichtbar gemacht. Und er habe deutlich gemacht, dass sich die rasante Entwicklung von KI in einem Spannungsfeld zwischen Fortschritt und Verantwortung bewegt, das die Hochschule aktiv mitgestalten will.
Damit ist die HHN nicht allein. Am Bildungscampus arbeiten weitere Akteure an ähnlichen Fragen, etwa die DHBW Heilbronn, der TUM Campus Heilbronn und das Fraunhofer IAO. Die Hochschule Heilbronn bringt mit über 8.000 Studierenden und ihrem Profil als eine der größten Hochschulen für angewandte Wissenschaften in Baden-Württemberg eine besondere Stimme in dieses Konzert ein. Wer angewandte Wissenschaften lehrt, steht beim Thema KI doppelt im Wind. Einerseits muss er die Technologie unterrichten. Andererseits muss er beobachten, wie sie das Unterrichten selbst verändert. Genau dieser doppelte Blick prägte den Tag der Lehre 2026.