Von Redaktion, Fotos: Stadt Heilbronn
Die Stadt Heilbronn hat am Freitag, 15. Mai 2026, 25 neue Stolpersteine in der Innenstadt und im Heilbronner Osten verlegen lassen. Die Steine erinnern an sieben Stationen an Opfer des Nationalsozialismus. Damit wächst die Zahl der Stolpersteine in Heilbronn auf 241 an 92 Orten. Zur Verlegung waren auch Nachfahren aus San Francisco angereist.
Aus San Francisco kommt man nicht eben mal nach Heilbronn. Doch für die Familie Kahn führte der Weg an diesem Freitag genau dorthin. Vor dem Haus Bruckmannstraße 28 versammelten sich Angehörige, Nachbarn, Schülerinnen und Schüler sowie Vertreter der Stadt. Auf dem Gehweg liegen seither drei neue Stolpersteine im Pflaster. Sie tragen die Namen von Josef, Erna und Otto Kahn. Hier hatte die Familie vor ihrer Vertreibung gelebt und gearbeitet.

Erinnern beginnt vor der eigenen Haustür
Den Auftakt der Verlegung gestaltete Dr. Richard Mössinger vom Runden Tisch Stolpersteine. Er begrüßte die Gäste und sprach über die Bedeutung des Erinnerns. Auch die nachgereisten Familienmitglieder ergriffen das Wort. Michael Kahn beschrieb die Verbindung seiner Familie zu Heilbronn als Teil ihrer eigenen Geschichte. Seine Familie sehe sich nicht als Opfer der Vergangenheit, sondern verstehe Erinnerung als Möglichkeit, aus der Geschichte zu lernen.
Auch Harold Kahn sprach an diesem Vormittag. Das ehemalige Wohnhaus seiner Großeltern stehe für Erinnerungen, Zugehörigkeit und ein Leben, das durch Ausgrenzung und Intoleranz zerstört worden sei. Zugleich betonte er die Bedeutung einer ehrlichen Erinnerungskultur und des gemeinsamen Lernens aus der Vergangenheit.
Bürgermeisterin: Erinnerung als Verantwortung der Gegenwart
Bürgermeisterin Agnes Christner sprach in ihrem Grußwort über die Verantwortung, die Erinnerung wachzuhalten. Mit den nun verlegten Steinen kamen weitere Namen und Lebensgeschichten hinzu. Besonders dankte sie den Schülerinnen und Schülern. Sie hatten sich intensiv mit den Biografien der Opfer beschäftigt. Junge Menschen, so Christner, trügen dazu bei, dass die Geschichten hinter den Namen nicht verloren gehen. Erinnerung sei heute Aufgabe und Verantwortung der Gegenwart.

Schüler stellen die Familiengeschichte vor
Im Anschluss präsentierten Schülerinnen und Schüler des Theodor-Heuss-Gymnasiums die Lebensgeschichten der Familie Kahn. Sie berichteten vom Leben der Familie in Heilbronn und von der erfolgreichen Zigarrenfabrik. Schließlich ging es auch um Entrechtung, Verfolgung und die Flucht in die USA.
Sieben Stationen in der Stadt
Im Laufe des Tages entstanden neue Stolpersteine an insgesamt sieben Orten. Neben den Steinen in der Bruckmannstraße kamen Erinnerungsorte in der Weinsberger Straße 7 hinzu. Dort liegen vier neue Steine für Philipp, Elsa, Traute und Ingeborg Rypinski. Schülerinnen und Schüler begleiteten die Verlegung dort mit einem Lied für Philipp Rypinski.

In der Wolfganggasse 23/1, heute Hausnummer 13, erinnern Steine an Marie, Nachmann und Leon Gersinski. Auch Dina und Bernhard Mangel werden dort genannt. In der Unteren Neckarstraße 14 stehen seit Freitag Steine für Chajem und Pauline Schiffer.
Weitere Erinnerungsorte entstanden in der Kramstraße 18, heute Hausnummer 6. Hier liegen Steine für Hermann, Emma, Max, Lieselotte, Sigmund und Selma Stobezki. In der Mozartstraße 10 erinnern Steine an Ludwig, Hermine, Alice »Liesel« und Helmut Rosenthal. Die letzte Station befand sich in der Mainhardter Straße 3. Dort liegt seither ein Stolperstein für den Widerstandskämpfer Walter Vielhauer.

Zeichen gegen das Vergessen
Die Stolpersteine sind Teil des europaweiten Kunstprojekts des Künstlers Gunter Demnig. In Heilbronn erinnern sie bereits seit 2009 an Bürgerinnen und Bürger der Stadt. Sie wurden während der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt, deportiert oder ermordet. Jeder Stein trägt einen Namen. Damit steht er für ein Leben, das durch den Nationalsozialismus geprägt oder zerstört wurde.
Eine Übersicht aller Stolpersteine in Heilbronn ist auf der Website des Stadtarchivs Heilbronn zu finden.