Von Redaktion, Foto: IQM
Die Hochschule Heilbronn installiert am TechCampus einen Quantencomputer des finnischen Herstellers IQM. Bechtle aus Neckarsulm übernimmt die Integration. Studierende sollen damit von der Hardware bis zur Anwendung lernen.
Fünf Qubits klingen nicht nach viel. Klassische Computer rechnen längst mit Milliarden von Bits. Aber Quantencomputer funktionieren anders. Sie nutzen die Gesetze der Quantenmechanik, um Aufgaben zu lösen, an denen herkömmliche Rechner scheitern würden. Und genau so ein Gerät wird bald am TechCampus der Hochschule Heilbronn (HHN) stehen.
Die HHN hat laut einer gemeinsamen Pressemitteilung von Bechtle und der Hochschule das Neckarsulmer IT-Unternehmen mit der Lieferung, Installation und dem Support eines IQM Spark Quantencomputers beauftragt. Der Hersteller IQM Quantum Computers hat seinen Hauptsitz in Finnland und arbeitet mit supraleitender Qubit-Technologie. Die Inbetriebnahme des Systems ist noch für 2026 geplant.
Regionale Partner, europäische Technologie
Bechtle übernimmt für zunächst drei Jahre die Betriebsunterstützung und Systemwartung. Ein mehrstufiges Support-Modell soll dabei für Verfügbarkeit sorgen: Die zentrale Anlaufstelle liegt im Bechtle IT-Systemhaus Neckarsulm, spezialisiertes Know-how kommt aus dem Quantentechnologie Competence Center im Bechtle IT-Systemhaus Bonn. Bei Bedarf wird der Hersteller IQM direkt eingebunden.
Bechtle war laut eigenen Angaben 2024 der erste Vertriebspartner von IQM und verfügt über die notwendigen Zertifizierungen für Installation, Betrieb und Support. Zum Leistungsumfang gehören die technische Vorabprüfung der Räumlichkeiten, der fachgerechte Aufbau der Hardware sowie die Einbindung in die IT-Architektur der Hochschule. Der Aufbau erfolgt durch spezialisierte Teams aus Neckarsulm und Bonn unter Beteiligung des Herstellers.
Praxisnahe Ausbildung als Ziel
Der Quantencomputer wird in einem Laborraum direkt am TechCampus installiert. Studierende, Lehrende und Projektpartner erhalten damit unmittelbaren Zugriff auf reale Quantenhardware. Offene Software-Frameworks ermöglichen laut Pressemitteilung eine unkomplizierte Nutzung und die Anbindung an bestehende IT-, Cloud- und KI-Umgebungen.
Bechtle und IQM werden gemeinsam Schulungen für das Hochschulpersonal durchführen. Diese umfassen Grundlagen des Quantencomputings, den Betrieb und die Wartung des Systems sowie dessen Einsatzmöglichkeiten in Lehre, Forschung und Weiterbildung.
»Der Quantencomputer ist ein entscheidender Baustein, um unsere Studierenden von der Hardware bis zur Anwendungsebene entlang der gesamten Technologiekette auszubilden«, sagt Prof. Dr. Alexander Windberger, Professor für Künstliche Intelligenz, Algorithmen und praktische Informatik an der Hochschule Heilbronn, laut Pressemitteilung. »Damit fördern wir wichtige Zukunftskompetenzen unserer Studierenden und stärken die Innovationsfähigkeit der Industrie.«
Einbindung ins regionale Ökosystem
Das Vorhaben fügt sich laut Bechtle in die Ziele der Initiative Quantum Computing Heilbronn ein. Geplant ist eine enge Verzahnung mit bestehenden und entstehenden Strukturen, unter anderem mit dem IPAI Heilbronn als europäischem KI-Ökosystem. Die Pressemitteilung betont zudem den Beitrag zur digitalen und technologischen Souveränität Europas: Durch den Einsatz europäischer Quantenhardware und den Betrieb vor Ort blieben Daten, Know-how und Wertschöpfung in Europa.
»Mit dem ersten Quantencomputer an der Hochschule Heilbronn schaffen wir eine Plattform, die Ausbildung, Forschung und Innovation zusammenführt«, erklärt Michael Guschlbauer, COO der Bechtle AG, laut Pressemitteilung. »Gleichzeitig stärken wir die digitale Souveränität Europas und schaffen die Voraussetzungen für das Zusammenspiel von Quantencomputing und klassischer IT.«
Die HHN setzt mit dem System auf energieeffizienten Betrieb. Ziel ist es, Quantencomputing frühzeitig praxisnah in Studium, Weiterbildung und Forschungsprojekte zu integrieren und damit Kompetenzen in einem Technologiefeld aufzubauen, das zunehmend an Bedeutung gewinnt.