Von Redaktion, Foto: Screenshot tagesschau.de, Audi AG/Matthias Stark & Audi AG/Foto: Michaela Klose
Nadine Rücker trägt eine spezielle Brille bei der Arbeit. Infrarotkameras erfassen ihre Augenbewegungen, während sie Fahrzeugteile zusammenstellt. Der SWR hat jetzt über das Forschungsprojekt berichtet, bei dem Fraunhofer und Audi seit Sommer 2025 in Heilbronn den Einsatz von KI und Robotik in der Produktion erforschen.
Eine Brille, die misst, wohin man schaut. Und wie lange. Und bei welchen Tätigkeiten der Körper gestresst reagiert. Nadine Rücker ist Bestückerin bei Audi Sport in den Böllinger Höfen. Sie hat die Eye-Tracking-Brille getestet. Rücker berichtet im SWR-Interview, dass sie ständig konzentriert sein müsse und eine hohe Verantwortung habe. Dabei könne sie die künstliche Intelligenz unterstützen.

Genau darum geht es in dem Reallabor, das seit Sommer 2025 in den Böllinger Höfen läuft: herauszufinden, bei welchen Tätigkeiten das größte Potential steckt, die Mitarbeitenden zu entlasten. Die Fraunhofer Heilbronn Forschungs- und Innovationszentren HNFIZ mit Beteiligung der Fraunhofer-Institute IAO und IPA erforschen dort gemeinsam mit Audi, wie KI und Robotik den sogenannten Pick-Prozess in der Produktion optimieren können. Mit dem Jahr 2025 endet die praktische Testphase. Die gesammelten Daten werden jetzt ausgewertet.
Der Supermarkt, der keiner ist
Der Pick-Prozess beschreibt die gezielte Entnahme und Zusammenstellung von Fahrzeugteilen aus verschiedenen Logistikbehältern, dem sogenannten Supermarkt, zur Versorgung der Produktionslinie. In einem eigens eingerichteten Reallabor testen die Forschenden in einer realitätsgetreuen Kopie dieses Supermarkts verschiedene technologische Hilfsmittel.
So messen Sensoren, ob ein Bauteil aus der richtigen Kiste entnommen wurde. Direkt daneben setzt ein zweiter Versuchsansatz stattdessen auf eine Kamera und Bilderkennung. Audi zufolge soll die KI den Mitarbeitenden auch Sicherheit geben. Zusätzlich kommen autonome mobile Knickarmroboter mit Greifern und 3D-Sensorik zum Einsatz.

Alexander Müller, Leiter Logistik der Audi Sport GmbH, erklärt: »Die Fahrzeuge in den Böllinger Höfen haben einen hohen Individualisierungsgrad, was den Pick-Prozess durch die vielen unterschiedlichen Teile besonders herausfordernd macht.« Gerade bei Audi Sport geht es um individuelle Fahrzeuge mit spezieller Ausstattung, ganz nach Kundenwunsch. So braucht es für jedes Auto unterschiedliche Teile. Was nicht gebraucht wird, soll von der KI aussortiert werden.
Ängste abbauen, Mitarbeitende entlasten
Bei dem Projekt geht es nach Angaben von Audi einerseits darum, die Ängste der Mitarbeitenden vor den neuen Technologien abzubauen. Künstliche Intelligenz und Robotik könnten die Mitarbeitenden aber auch entlasten. Die ersten Rückmeldungen waren dabei positiv, berichtet der SWR. Als Testbeispiele dienten echte Fahrzeugaufträge, um den Einsatz der KI- und Robotik-Lösungen realitätsnah zu simulieren.

Das Projekt baut auf die Zusammenarbeit im Rahmen der Automotive Initiative 2025 (AI25) auf. Diese Initiative zwischen der Audi AG, dem Fraunhofer IAO, der Technischen Universität München und Implementierungspartnern bildet ein interdisziplinäres Kompetenznetzwerk für die digitale Transformation der Automobilproduktion.
Das Reallabor ist laut Audi Teil eines ganzen KI-Ökosystems, das in der Region Heilbronn rund um den Innovationspark für Künstliche Intelligenz (IPAI) entsteht. Die Fraunhofer Heilbronn Forschungs- und Innovationszentren HNFIZ werden durch die Dieter Schwarz Stiftung gefördert und arbeiten in enger Zusammenarbeit mit Unternehmen, Organisationen und öffentlichen Einrichtungen der Region.