Von Redaktion, Foto: aim
Dr. Kai Erik Trost baut seit September 2025 an der aim Akademie ein Kompetenzcenter auf, das Künstliche Intelligenz und Bildung zusammendenken soll. Ein Porträt über verschlungene Wege und klare Ziele.
Es gibt Lebensläufe, die lesen sich wie ein gerader Highway von A nach B. Und dann gibt es Lebensläufe wie den von Dr. Kai Erik Trost. Kaufmännische Ausbildung, dann Informatik, weiter ins Consulting, hinüber in die Medienwissenschaft, Abstecher zur philosophischen Ethik und schließlich digitale Bildung. Das klingt weniger nach Masterplan als nach einem Menschen, der sich nicht damit zufrieden gibt, nur eine Perspektive einzunehmen. Seit September 2025 bündelt Trost diese Erfahrungen an einem Ort, an dem sie alle zusammenfließen können: dem Bildungscampus Heilbronn.
Dort baut er für die aim Akademie ein Kompetenzcenter für KI und Bildung auf. Im Interview mit der aim beschreibt er seinen Weg mit entwaffnender Offenheit: „Bildungsbiographien sind häufig von Zufällen geprägt. Das war auch bei mir so.“ Er sei ein neugieriger Mensch, habe deshalb „spontan mal die Richtung geändert und einen anderen Weg eingeschlagen“, wie er gegenüber der aim erklärt. Was ihn antreibt? Laut eigener Aussage die Frage, „wie wir verantwortungsvoll mit digitalen Technologien umgehen“ – das Kernthema der digitalen Ethik.
Die aim, von der Dieter Schwarz Stiftung geförderte Akademie für innovative Bildung und Management, hat mit Trost jemanden gewonnen, der nicht nur über Digitalisierung theoretisiert, sondern sie auch aus der Praxis kennt. Die Chance, „etwas völlig Neues entwickeln zu dürfen“, begeistere ihn, so Trost im aim-Interview. Gleichzeitig freue er sich darauf, „Bildung ganz nah an der Praxis mitzugestalten und mehr Kontakt zu den Zielgruppen zu haben“.
Das neue Kompetenzcenter hat einen konkreten Auftrag: die relevanten Akteure am Bildungscampus stärker zu vernetzen. Das klingt erst einmal nach einer dieser abstrakten Formulierungen, die man in Strategiepapieren findet. Doch Trost füllt sie mit Substanz. Der erste Schritt, so beschreibt er es gegenüber der aim, sei zu verstehen, was am Campus bereits passiert. Der Bildungscampus Heilbronn ist heute ein Ökosystem mit über 8000 Studierenden, mit TUM, ETH Zürich, Hochschule Heilbronn, DHBW, experimenta, Fraunhofer-Instituten und zahlreichen weiteren Einrichtungen. „Es ist ein hochdynamisches Umfeld mit vielen innovativen Themen“, so Trost. Bevor strategische Festlegungen getroffen würden, sei es wichtig, „erkenntnisoffen zuzuhören“.
Diese Haltung – erst verstehen, dann gestalten – zieht sich durch das gesamte Gespräch. Trost betont im aim-Interview mehrfach, dass es entscheidend sei, „dass alle Bereiche und Partner gemeinsam mit im Boot sind“. Aus diesem Austausch heraus soll ein Programm entstehen, das alle wichtigen Digitalthemen und insbesondere Künstliche Intelligenz im Blick hat.
Dabei geht es Trost nicht um Technikeuphorie. Im Gegenteil: „Digitale Technologien müssen gestaltet werden, denn sie entfalten nur im Zusammenspiel mit dem Menschen eine positive Wirkung“, erklärt er im Interview. Künstliche Intelligenz wolle er „immer als Chance denken, nicht als Problem“. Die Frage, die ihn umtreibe: Wie lässt sich KI so einsetzen, dass sie hilft, die Herausforderungen in Gesellschaft und Bildungsbereich zu bewältigen?
Für Trost reicht technische Kompetenz allein nicht aus. Menschen bräuchten eine „digitale Werthaltung“, wie er es formuliert – also die Fähigkeit, Informationen kritisch auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen, sich resilient in digitalen Räumen zu bewegen und Social Media kompetent zu nutzen. Im aim-Interview fasst er es so zusammen: „KI ist eine Kulturtechnik, die dem Menschen dienen soll. Diese ethische Prämisse muss jeder Technologie zugrunde liegen.“
Gleichzeitig warnt er im Gespräch davor, zu konservativ zu denken: „Wenn wir KI in bestehende Muster hineinpressen, wird sich wenig verändern.“ Sie könne „eine echte Chance sein, Bildung neu zu denken“ – vorausgesetzt, man bleibe neugierig und offen.
Für den Bildungscampus Heilbronn ist die Einrichtung des Kompetenzcenters ein weiterer Baustein in einer Entwicklung, die den Standort in den vergangenen Jahren zu einem Schwerpunkt für Digitalisierung und angewandte KI gemacht hat. Mit Institutionen wie dem IPAI, dem appliedAI Institute for Europe und der wachsenden Präsenz internationaler Spitzenuniversitäten entsteht hier ein Umfeld, das Trosts Expertise gut gebrauchen kann.
Sein verschlungener Weg hat ihn genau dorthin geführt.