Von Redaktion, Foto: asp Architekten und HPP
Die Eidgenössische Technische Hochschule Zürich wird am Neckarufer sesshaft. In einem Architekturwettbewerb wurden die Pläne für ihren neuen Campus auf dem Bildungscampus West gekrönt – eine Symbiose aus Holz, Glas und Offenheit, die 2030 Wirklichkeit werden soll.
Zwischen Wasserspiegelungen und Baumkronen zeichnen sich zwei lichtdurchflutete Gebäudekomplexe ab. Die Glasfassaden reflektieren den Himmel, während hölzerne Tragelemente Wärme ausstrahlen. So werden in fünf Jahren die neuen Gebäude der ETH Zürich am südöstlichen Rand des Bildungscampus West in Heilbronn aussehen – direkt am Neckarufer, wo städtisches Leben und akademische Exzellenz aufeinandertreffen sollen.
Die Würfel sind gefallen im Architekturwettbewerb, den die Dieter Schwarz Stiftung im vergangenen Herbst ausgeschrieben hatte. Als Sieger gingen asp Architekten aus Stuttgart und HPP aus Düsseldorf hervor. Ihre Entwürfe überzeugten die Jury durch die gelungene Interpretation der ETH-DNA im Heilbronner Kontext.
„Sie haben die Aufgabe besonders gut gelöst, auf dem Campus einen attraktiven und belebten Ort für Studierende, Forschende und weitere Interessierte zu schaffen, welcher die Identität der ETH Zürich aufgreift“, erklärt Reto Grimm, Portfolio-Manager bei der Abteilung Immobilien der ETH Zürich, in der 3. Ausgabe des internen Newsletters „Heilbronn aktuell“.
Die Visualisierungen des Siegerprojekts offenbaren die Vision: Ein offenes Konzept mit großzügigen Räumen und ausladenden Fensterfronten, die Innen und Außen verschwimmen lassen. Im Eingangsbereich empfängt ein gelber Empfangstresen Besucher – die Signalfarbe der ETH Zürich, die sich auch auf den Sitzgelegenheiten der breiten Treppen wiederfindet. Holzträger dominieren die Innenarchitektur, während Laborräume hinter Glaswänden Einblicke in die Forschungsarbeit gewähren.
Von außen betrachtet fügen sich die Gebäude harmonisch in die Naturlandschaft am Neckarufer ein. Begrünte Fassadenelemente, Dachterrassen und ein großzügiger Vorplatz mit Bepflanzung lassen die Grenzen zwischen Architektur und Umgebung verschwimmen.

Die neuen ETH-Gebäude werden das architektonische Ensemble des erweiterten Bildungscampus ergänzen, wo auch die TU München, die Fraunhofer Heilbronn Forschungs- und Innovationszentren HNFIZ sowie das Ferdinand-Steinbeis-Institut angesiedelt sein werden. Gemeinsam formen sie das räumliche Rückgrat der Heilbronner Wissensstadt, die in den kommenden Jahren weiter an Kontur gewinnen wird.
Ein wesentliches Gestaltungsprinzip der neuen ETH-Räumlichkeiten: Die universitäre Atmosphäre soll in den städtischen Raum hineinwirken. „Indem sich der ‚private Raum‘ in den öffentlichen Raum ausdehnt, soll die Architektur gleichzeitig Besuchende dazu einladen, mit der ETH in Kontakt zu treten und zu interagieren“, heißt es in dem Beitrag. Die Jury attestiert dem Projekt „zukunftsweisende und moderne Lehr- und Forschungszentren“, die „nicht nur aufgrund ihrer Forschungsthemen, sondern auch in ihrer Außenwirkung eine weitreichende Strahlkraft entfalten.“

Während die Bagger noch auf ihren Einsatz warten, wächst das ETH-Team in Heilbronn bereits stetig. Derzeit ist die Geschäftsstelle noch im Gebäude „Kleiner Kiesel“ untergebracht, etwa 500 Meter von den künftigen Bauten entfernt. Im Juni hat mit Sophia Dieterich die zweite ETH-Mitarbeiterin in Heilbronn ihre Arbeit aufgenommen. Sie wird für Events und Hospitality Management zuständig sein und unter anderem bei der Durchführung einer Summer School zum Thema Artificial Intelligence and Machine Learning for Science unterstützen.
Die Mannschaft wird weiter verstärkt: Ab September wird Theresa Ellinger als Executive Assistant die interne Administration mit aufbauen. Später im Jahr wird mit Jan Hiss ein erfahrener ETH-Mitarbeiter aus dem Departement für Chemie und Angewandte Biowissenschaften als Strategic Advisor and Project Lead seine Arbeit aufnehmen. Eine weitere Mitarbeiterin aus der Region wird in gleicher Funktion zum Team stoßen.
In den kommenden Monaten werden die Architekturentwürfe konkretisiert und weiter auf die Bedürfnisse der ETH zugeschnitten. „In dieser Vertiefungsphase werden weitere ETH-Abteilungen eingebunden oder konsultiert“, erläutert Grimm. Der Grundstein für die Schweizer Exzellenz am Neckar ist gelegt – in fünf Jahren wird sie ein architektonisches Gesicht bekommen.