Von Redaktion, Foto: DHBW CAS
Mit einem Reifegradmodell für KI-Einführung gewinnt Bartlomiej Röder den Ernst & Young Preis. Seine Erkenntnis für Verwaltungen: Erst die Basics checken, dann durchstarten.
Wer einen Marathon laufen will, sollte sich vorher beim Arzt durchchecken lassen. Diese simple Weisheit wird zum Ausgangspunkt einer wissenschaftlichen Arbeit, die zeigt, wie der öffentliche Dienst mit Künstlicher Intelligenz umgehen sollte. Bartlomiej Röder, Masterabsolvent im Studiengang General Business Management am DHBW Center for Advanced Studies, hat untersucht, wie Verwaltungen KI einführen können, ohne sich dabei zu überfordern.
Seine Masterarbeit wurde nicht nur mit einer sehr guten Note bewertet, sondern brachte ihm auch den Ernst & Young Preis ein. Der Abteilungsleiter beim Bundesbau entwickelte ein Reifegradmodell, das Behörden als Wegweiser dienen soll. Seine zentrale Botschaft laut DHBW CAS: »Es tut sich viel, wir sind aber mit den Basics hinterher.«
Neuland in der deutschen Verwaltungslandschaft
Ursprünglich hatte Röder andere Pläne für seine Abschlussarbeit. Er wollte zeigen, wie Künstliche Intelligenz künftig eingesetzt werden kann. Doch sein Betreuer riet ihm zu einem anderen Ansatz und legte ihm stattdessen das Reifegradmodell ans Herz, wie Röder gegenüber dem DHBW CAS erklärte.
Ein Glücksfall, wie sich herausstellen sollte. Denn Reifegradmodelle erlauben es Organisationen, ihren Fortschritt objektiv zu bewerten. Das Werkzeug erfüllt dabei gleich drei Funktionen, wie Röder in der Mitteilung des DHBW CAS ausführt: Es beschreibt den Ist-Zustand, ermöglicht einen Vergleich mit anderen Verwaltungen und zeigt auf, welche Maßnahmen notwendig sind, um die gewünschten Ziele zu erreichen.
Mit seiner Analyse betrat Röder Neuland in der deutschen Verwaltungslandschaft. Reifegradmodelle für Künstliche Intelligenz im öffentlichen Dienst konnte er zum Untersuchungszeitpunkt in Deutschland nicht finden. »Bei meiner Recherche habe ich ein Reifegradmodell aus Slowenien gefunden und auch verschiedene aus dem nordamerikanischen Raum, aber recht wenig aus dem deutschen Raum«, berichtet er laut DHBW CAS.
Interviews, Fokusgruppen und ein pragmatisches Fazit
Um eine solide Datenbasis zu schaffen, entwickelte Röder eine kreative Methode. Zunächst führte er Interviews mit Personen aus der Privatwirtschaft, der öffentlichen Hand und dem universitären Bereich. So konnte er die einzelnen Kategorien auf ihre Bedeutung für das Thema prüfen. Anschließend organisierte er im eigenen Betrieb eine Fokusgruppe, die in einem Workshop bewertete, wie weit man in Bereichen wie Ethik und Regulierung oder Strategie und Führung bereits ist.
In der Immobilienverwaltung des Landes sieht der Masterabsolvent viele Nutzungsmöglichkeiten für KI, von der Immobiliensuche über das Vertragsmanagement bis hin zur intelligenten Gebäudesteuerung. Sein Fazit fällt pragmatisch aus: »Ich denke, man muss mit der KI einfach anfangen«, sagt Röder laut DHBW CAS.
Dass seine Masterarbeit so gut bewertet wurde, hatte er nicht erwartet. Über die Auszeichnung mit dem EY-Preis freute er sich besonders: »Das war für mich ein richtig schöner Abschluss einer tollen Zeit am DHBW CAS.«