Zukunftstag am DHBW CAS: Wenn Künstliche Intelligenz auf Soziale Arbeit trifft

Von Redaktion, Fotos: DHBW CAS

Am Bildungscampus diskutierten Akteure aus Wissenschaft, Wirtschaft und Verwaltung über den verantwortungsvollen Einsatz von KI im Wohlfahrtswesen. Mittendrin: ein Startup von drei Studierenden, das Sozialarbeitenden die lästigste Aufgabe des Tages abnehmen will.

Berichte schreiben. Für Sozialarbeitende gehört das zum Alltag wie der Dienstplan an der Wand. Berichte über Klienten, Berichte für Behörden, Berichte, die Zeit kosten, die eigentlich den Menschen gehören sollte. Genau an dieser Stelle setzt ein Startup an, das beim Zukunftstag am DHBW CAS auf dem Bildungscampus für Aufmerksamkeit sorgte: Sozial KI, gegründet von drei Studierenden des DHBW CAS, hat mit ihrem Tool SoKI eine Lösung entwickelt, die Sozialarbeitende per Spracheingabe Berichte verfassen lässt. Die müssen anschließend nur noch angepasst werden. Zwei Anfragen pro Tag erreichen das junge Unternehmen inzwischen, wie Geschäftsführer Niclas Höhl beim Zukunftstag berichtete.

Die Teilnehmer am Zukunftstag stellten sich die Frage: Wie geht verantwortungsvolle Gestaltung mit KI in der Sozialen Arbeit?

Eine Region mit großem Ziel

Der Zukunftstag, organisiert von der Liga der freien Wohlfahrtsverbände Heilbronn und veranstaltet in den Räumlichkeiten des DHBW CAS am Bildungscampus, stellte eine Frage, die weit über das Tagesgeschäft hinausreicht: Wie verändert Künstliche Intelligenz die Gesellschaft, und welche Perspektiven eröffnen sich daraus für die Soziale Arbeit? Die Konferenz ist Teil der Initiative »AI Inspire: KI im Sozialwesen«, deren erklärtes Ziel es ist, Heilbronn-Franken als Modellregion für sozialverantwortliche KI im Wohlfahrtswesen zu etablieren. Um das zu erreichen, kamen an diesem Tag Akteure aus Wissenschaft, Wirtschaft und öffentlicher Verwaltung zusammen.

Chancen und Grenzen ausloten

In Impulsvorträgen loteten Professorinnen und Professoren von DHBW Heilbronn und Hochschule Heilbronn aus, wo die Chancen und wo die Grenzen beim Einsatz von KI liegen. Das Nachmittagsprogramm setzte auf Praxis: In Workshops ging es darum, wie Organisationen KI-Kompetenzen aufbauen und nachhaltig verankern können.

Karin Kießling von context YELLOWS machte dabei deutlich, dass der Weg zur KI-fähigen Organisation einen klaren Fahrplan braucht. »Wo stehen wir gerade? Technologisch, in Bezug auf Kultur, Struktur und Prozesse?«, diese Fragen müssten zunächst geklärt sein, um eine Standortbestimmung vorzunehmen, so Kießling in ihrem Workshop. Entscheidend sei dabei der Faktor Mensch: Nicht nur das Management müsse dahinterstehen, auch die Mitarbeitenden bräuchten eine breite Einbeziehung. »Zeigen Sie die Chancen auf, denn ganz viele Dinge, die ich im Alltag ätzend finde, gehen mit KI schneller«, sagte Kießling und nannte als Beispiel das Schreiben von Berichten.

Der Mensch bleibt im Prozess

Dass Tempo allein nicht reicht, machte Niclas Höhl von Sozial KI klar. »KI arbeitet nie fehlerfrei, es braucht immer einen Menschen im Prozess«, erklärte er das sogenannte Human-in-the-Loop-Prinzip. Die Risiken seien real: Halluzinationen, bei denen die KI Quellen zitiert, die gar nicht existieren, oder ein sogenannter Bias, bei dem menschliche Vorurteile durch die Technologie weitergegeben werden. Umso wichtiger sei es, KI-Wissen flächendeckend in Organisationen zu bringen und auch rechtliche Aspekte zu berücksichtigen. Ein Grundsatz wurde dabei besonders betont: Ein Sprachmodell darf nie im direkten Kontakt mit vulnerablen Personen stehen, weil Fehler hier schwerwiegende Folgen haben können.

Sieben Jahre Vorsprung

Dass aus dem DHBW CAS nicht nur Diskussionen, sondern auch handfeste Gründungen kommen, freute Paul-Stefan Roß, Dekan des Fachbereichs Sozialwesen. »Aus unseren Studis wird was«, sagte Roß mit Blick auf das Startup Sozial KI. Vor sieben Jahren ging der Studiengang Digitalisierung in der Sozialen Arbeit an den Start, seinerzeit als erster Master dieser Art in Deutschland. Die zielgerichtete Ausbildung von Fachkräften in diesem Bereich ist ein wichtiger Baustein der Gesamtstrategie für KI in der Sozialen Arbeit.

Von der strategischen Implementierung über die Werkzeugauswahl bis hin zur Schulung und den Grenzen der Nutzbarkeit zeigte der Zukunftstag vor allem eines: Es gibt viel zu beachten und noch viel zu tun. Aber wer sich traut, einfach selbst etwas zu starten, kann damit ziemlich erfolgreich werden.

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