KI in der Sozialen Arbeit: Wie drei DHBW CAS-Studierende ein Startup gegründet haben

Von Redaktion, Foto: Privat

Philipp Engelsberg, Theodor Schöwitz und Niclas Höhl lernten sich im Masterstudium am DHBW CAS kennen. Aus einer Gruppenarbeit wurde ein KI-Tool für Sozialarbeiter, das Anfang 2026 bereits 450 Nutzende zählt. Die Geschichte einer Gründung, die im Hörsaal begann.

Nach dem Hausbesuch sitzt die Sozialarbeiterin im Auto und tippt auf dem Handy. Nicht WhatsApp, nicht Google Maps. Sie diktiert per Spracheingabe einen Dokumentationseintrag in SoKI, ein KI-Tool, das Format, Länge und gängige Abkürzungen kennt. Zurück im Büro bleibt nur noch das Korrekturlesen. Was nach einer professionellen Softwarelösung klingt, haben drei Masterstudierende am DHBW Center for Advanced Studies in Heilbronn mit 2.000 Euro Startkapital aufgebaut. Ohne Informatikstudium. Dafür mit einem klaren Blick auf ein Problem, das sie aus dem eigenen Berufsalltag der sozialen Arbeit kennen.

Von der Gruppenarbeit zum Geschäftsmodell

Philipp Engelsberg, Theodor Schöwitz und Niclas Höhl studieren den Master „Digitalisierung in der Sozialen Arbeit“ am DHBW CAS, dessen Lehrveranstaltungen zur Hälfte auf dem Bildungscampus in Heilbronn stattfinden. Eine Gruppenarbeit brachte sie zusammen, die Aufgabe lautete: ein Geschäftsmodell für ein digitales Produkt in der Sozialen Arbeit entwickeln. Wie das DHBW CAS berichtet, hatten alle drei dieselbe Idee. „Wir hatten alle drei die gleiche Idee, nämlich eine ChatGPT-Alternative für die Sozialwirtschaft“, erinnert sich Theodor Schöwitz im DHBW-Beitrag. Der Hintergrund: In kaum einem anderen Berufsfeld wird so viel geschrieben. Verlaufsdokumentationen, Berichte, Stellungnahmen. Arbeit, die Zeit kostet, die im direkten Kontakt mit Menschen fehlt.

Dass daraus mehr als eine Semesterarbeit werden könnte, war anfangs nicht geplant. Das Studium bot zunächst einen geschützten Raum zum Ausprobieren. „Dann ist es auch kein Größenwahn, wenn man es nur als Uni-Projekt macht“, beschreibt Niclas Höhl die Anfangsphase im Beitrag des DHBW CAS. Ohne Druck entstand ein Businessplan, eine Website, eine Präsentation für potenzielle Kunden. Als das Modul abgeschlossen war, stand die Entscheidung an. Philipp Engelsberg zögerte laut eigener Aussage nicht lange: „Das war zu gut und hatte Potential. Da war schon so der Drive: Ach, komm. Jetzt lass es versuchen.“

KI-Standort Heilbronn als Netzwerk

Dass die Gründung tatsächlich ins Rollen kam, verdankt das Team auch dem Netzwerk der DHBW. Als die drei im Studierendenkreis von ihrem Prototyp erzählten, wurde eine Kommilitonin hellhörig. Ihr Chef suchte genau so eine Lösung. Ein Pitch, eine Entwicklungspartnerschaft, der erste Kunde. „Wir hatten da viel Glück durch das Netzwerk der DHBW im Studium“, so Schöwitz. Der Deal war einfach: Der Kunde akzeptierte anfängliche Fehler, bekam dafür einen vergünstigten Preis. SoKI lieferte umfangreichen Support und sammelte Praxiserfahrung.

Für Heilbronn, wo mit dem DHBW CAS, der Hochschule Heilbronn, der TUM, den Campus Founders und dem IPAI ein dichtes Ökosystem aus Bildung, Forschung und Gründung entstanden ist, steht die Geschichte exemplarisch. Die Verbindung von Studium und Gründung funktioniert hier auch abseits der klassischen Tech-Branche, in einem Bereich, den man nicht sofort mit KI in Verbindung bringt: der Sozialen Arbeit.

Datenschutz als Kernkompetenz

Dass die drei Gründer selbst als Sozialarbeiter tätig sind, erweist sich als entscheidender Vorteil. Sie kennen die Sprache, die Abläufe, die Anforderungen. Vor allem aber kennen sie die Sensibilität der Daten. „Sozialdaten sind besonders schützenswert. Dort finden sich die intimsten Details von Personen“, betont Schöwitz. SoKI verzichtet deshalb bewusst auf die Übermittlung von Daten an US-amerikanische Server. Stattdessen arbeitet die Plattform ausschließlich mit europäischen Dienstleistern zusammen, die strenge Datenschutzstandards einhalten und nicht den Bestimmungen des US Cloud Act unterliegen.

Jede SoKI-Instanz wird laut Höhl individuell für jeden Kunden auf einem eigenen Server angelegt. Die Kunden entscheiden selbst, ob und wie lange Daten gespeichert werden. Das Basispaket für eine Einrichtung mit rund 50 Mitarbeitenden gibt es ab 500 Euro. Teurer wird es erst, wenn die Nutzung steigt und mehr Tokens verbraucht werden.

Vom Hörsaal in die Sozialwirtschaft

Seit der Gründung 2024 ist das Team gewachsen. Ein studierter Cloud-Entwickler ist als viertes Mitglied eingestiegen und treibt die technische Weiterentwicklung voran. Neben dem KI-Tool bietet SoKI auch Fortbildungen und Workshops an. Anfang 2026 zählt die Plattform bereits 450 Nutzende. Die drei Gründer, die über Deutschland verstreut in Stuttgart, Hamburg und Berlin leben, haben ein Ziel, wie sie im DHBW-Beitrag formulieren: „Wir wollen der Hauptansprechpartner für Künstliche Intelligenz in der Sozialwirtschaft werden.“

Dass dieser Weg in Heilbronn begann, im Masterstudium am DHBW CAS auf dem Bildungscampus, gehört zu den Geschichten, die der Standort erzählen kann. Nicht jede Gründung braucht Millionenfinanzierung und einen Platz im Inkubator. Manchmal reichen eine Gruppenarbeit, 2.000 Euro und drei Leute, die wissen, wovon sie reden.

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