KI als Herausforderung für die Bildung: Warum die Selbstmotivation zum entscheidenden Faktor wird

Von Redaktion, Foto: Ideogram/Robert Mucha

Im Zeitalter immer leistungsfähigerer KI-Tools wird die Fähigkeit, aus eigenem Antrieb zu lernen, zu einer Schlüsselkompetenz. Warum intrinsische Motivation der beste Schutz gegen oberflächliches Lernen ist und wie Schulen sie fördern können, erläutert ein aktueller Beitrag im Fachmagazin Campus Schulmanagement der aim.

In einer Zeit, in der ChatGPT und Co. Hausaufgaben erledigen und komplexe Fragestellungen in Sekundenschnelle beantworten können, stehen Bildungssysteme weltweit vor einer grundlegenden Frage: Wie können wir sicherstellen, dass Schülerinnen und Schüler nicht nur Aufgaben abhaken, sondern tatsächlich lernen?

Die Antwort liegt in der intrinsischen Motivation – dem inneren Antrieb, aus Neugier, Freude und persönlichem Interesse zu lernen. Wie Michael Klitzsch in seinem Beitrag im Magazin Campus Schulmanagement darlegt, wird diese Form der Eigenmotivation in einer Welt allgegenwärtiger KI-Werkzeuge immer wichtiger.

„Anstatt die Technologie als Unterstützung für das eigene Denken zu nutzen, sehen immer mehr extrinsisch motivierte Schülerinnen und Schüler in der KI vor allem verlockende Abkürzungen“, schreibt Klitzsch. Eine europaweite Umfrage der Nachhilfeplattform GoStudent fand heraus, dass mehr als 40 Prozent der Lernenden angaben, mit KI bessere Noten zu erzielen, ohne den Stoff wirklich zu verstehen – ein Phänomen, das als „Skill Skipping“ bezeichnet wird.

Die Folgen solcher Lernumgehungen sind gravierend: oberflächliches Lernen, mangelnde aktive Auseinandersetzung mit Inhalten und ein möglicher Rückgang der Fähigkeit zum kritischen Denken. Wissenschaftliche Studien bestätigen dagegen die Vorteile intrinsischer Motivation für den Lernerfolg. So zeigten Howard und Kollegen in einer Meta-Analyse mit über 223.000 Teilnehmenden, dass intrinsische Motivation stark mit Erfolg und Wohlbefinden von Lernenden verknüpft ist.

Besonders wertvoll wird laut Klitzsch die intrinsische Motivation im Umgang mit KI: „Intrinsisch motivierte Menschen können KI als mächtiges Werkzeug einsetzen, um ihren eigenen Interessen und Fragen nachzugehen. Sie sind in der Lage, die Ergebnisse von KI-Systemen kritisch zu bewerten und eigene, tiefer gehende Fragen zu stellen.“

Für die praktische Umsetzung im Schulalltag bietet der Artikel konkrete Handlungsempfehlungen, die auf der Selbstbestimmungstheorie von Deci und Ryan basieren. Demnach entsteht intrinsische Motivation, wenn drei psychologische Grundbedürfnisse erfüllt werden: Autonomie, Kompetenzerleben und soziale Eingebundenheit.

Lehrkräfte können die Autonomie fördern, indem sie Wahlmöglichkeiten bei Themen und Aufgaben anbieten. Das Kompetenzerleben wird gestärkt durch angemessene Herausforderungen und konstruktives Feedback, das den individuellen Lernfortschritt betont. Die soziale Eingebundenheit wächst in einer wertschätzenden Lernatmosphäre und durch kooperative Lernformen.

Auch Schulleitungen spielen eine entscheidende Rolle: Sie können flexible Rahmenbedingungen schaffen, eine positive Fehlerkultur etablieren und alternative Formen der Leistungsbewertung jenseits von Ziffernnoten unterstützen.

„Die Förderung intrinsischer Motivation ist kein pädagogisches ‚Add-on‘ mehr, sondern ein fundamentaler Paradigmenwechsel, der im anbrechenden KI-Zeitalter im Zentrum der Schulentwicklung stehen sollte“, resümiert Klitzsch. Eine Schule, die konsequent die psychologischen Grundbedürfnisse ihrer Schülerinnen und Schüler berücksichtigt, kann auch in Zeiten verlockender KI-Abkürzungen das volle Lernpotenzial freisetzen.

Der vollständige Beitrag von Michael Klitzsch mit weiteren wissenschaftlichen Erkenntnissen und praktischen Handlungsempfehlungen ist im aktuellen Campus Schulmanagement nachzulesen.

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