IPAI holt Apple-Manager: Warum Heilbronns KI-Plattform jetzt einen CTO hat

Von Redaktion, Foto: IPAI/Nico Kurth

Dr. Marc Kirchner war bei Apple an der Entwicklung von Apple Intelligence beteiligt. Jetzt wechselt der promovierte Informatiker nach Heilbronn, um als Chief Technology Officer die technologische Zukunft von IPAI mitzugestalten. Eine Personalie, die zeigt, wohin sich der KI-Standort am Neckar bewegt.

Es gibt Personalien, die liest man und nickt kurz. Und es gibt solche, bei denen man den Satz noch einmal von vorne liest, weil man sichergehen will, dass da wirklich steht, was da steht. Die Meldung, dass IPAI einen ehemaligen Senior Engineering Manager von Apple als Chief Technology Officer in die Geschäftsführung holt, gehört in die zweite Kategorie.

Dr. Marc Kirchner, 46 Jahre alt, promovierter Informatiker mit 22 Jahren Erfahrung in Machine Learning und Software-Engineering, hat in Cupertino und Heidelberg an einem Teil der globalen Infrastruktur für Apple Intelligence mitgearbeitet. Jetzt ergänzt er ab sofort das Führungsteam um CEO Moritz Gräter und CFO Dr. Benjamin Schiller. Arbeitsplatz: Heilbronn.

Von Harvard über Zeiss nach Heilbronn

Kirchners Lebenslauf liest sich wie eine Rundreise durch die Institutionen, die in der KI-Welt Gewicht haben. Akademische Stationen an der Hochschule Heilbronn, der Universität Heidelberg, der Harvard Medical School und der TU München. Danach die Carl Zeiss AG, wo er als Director in der Konzernforschung die industrielle Anwendung von KI vorantrieb und das Zeiss Digital Innovation Lab gründete. Anschließend war er CTO des baden-württembergischen KI-Startups Pallas Ludens, dessen Übernahme durch Apple er begleitete. Dort, bei Apple, blieb er dann 15 Jahre in technologischen Führungspositionen.

Dass ein Mann mit diesem Profil nach Heilbronn wechselt, ist bemerkenswert. Nicht, weil Heilbronn erklärungsbedürftig wäre. Der Bildungscampus, die TUM, die Hochschule Heilbronn, das Fraunhofer IAO, die experimenta, der KI-Campus, die Campus Founders und eben IPAI haben in den vergangenen Jahren ein Ökosystem geschaffen, das in der deutschen Hochschul- und Forschungslandschaft seinesgleichen sucht. Bemerkenswert ist es, weil es zeigt, dass dieses Ökosystem inzwischen stark genug ist, um mit den ganz großen Namen der Branche um Talente zu konkurrieren.

130 Partner, ein Campus, eine Aufgabe

Kirchner wird bei IPAI künftig die technologischen Richtungsentscheidungen steuern, die technische Kompetenz des Teams weiter ausbauen und die Infrastruktur der Innovationsplattform weiterentwickeln. Konkret bedeutet das auch, eine schnellere KI-Transformation der inzwischen 130 Mitglieds- und Partnerunternehmen zu unterstützen. Von der Bedarfsanalyse bis zur konkreten Umsetzung gemeinsamer Anwendungsfälle.

IPAI-CEO Moritz Gräter bezeichnete Kirchner laut Pressemitteilung der Dieter Schwarz Stiftung als „hochkarätigen Experten für komplexe Technologie- und KI-Entwicklungen“ und betonte dessen „breite Erfahrung, technologische Tiefe und Verständnis für digitale Geschäftsmodelle“ als ideale Voraussetzung für die nächste Wachstumsphase.

Kirchner selbst formulierte es in derselben Mitteilung so: „Heilbronn ist zweifellos auf dem Weg, der spannendste Standort für angewandte Künstliche Intelligenz in Europa zu werden.“ Man mag einwenden, dass neue Führungskräfte grundsätzlich Nettes über ihren neuen Arbeitgeber sagen. Aber Kirchner kennt Heilbronn. Seine akademische Laufbahn begann unter anderem an der Hochschule Heilbronn. Er weiß, wovon er spricht.

Ein Campus entsteht, ein CTO kommt

Die Personalie fällt in eine Phase, in der bei IPAI ohnehin viel in Bewegung ist. Ende 2025 war Baustart für den IPAI Campus auf einem 30 Hektar großen Areal im Norden Heilbronns, die ersten Gebäude sollen bis Ende 2027 bezugsfertig sein. Künftig sollen dort 5.000 Menschen rund um KI arbeiten. Zu den Initiatoren der Plattform zählen das Land Baden-Württemberg, die Dieter Schwarz Stiftung, die Unternehmen der Schwarz Gruppe und die Stadt Heilbronn.

Heilbronn hat sich in den vergangenen Jahren konsequent zum Anziehungspunkt für Forschung, Lehre und angewandte KI entwickelt. Die Berufung eines Managers mit Kirchners Profil in die IPAI-Geschäftsführung ist dabei weniger Ausrufezeichen als konsequenter nächster Schritt. Einer, der zeigt, dass das Ökosystem am Neckar nicht nur wächst, sondern reift.Die Ergebnisse dürften in Berlin aufmerksam gelesen werden – geschrieben wurden sie auch in Heilbronn.

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