Von Redaktion, Visualisierung: IPAI/MVRDV, Foto: Grüne Heilbronn
Die Kühlanlagen eines Fleischwerks heizen einen der ambitioniertesten KI-Standorte Europas. Was kurios klingt, gehört zum Energiekonzept des IPAI-Campus in Heilbronn-Neckargartach. Wie die Heilbronner Stimme berichtet, soll der IPAI-Campus Heilbronn seinen Energiebedarf für den Gebäudebetrieb in der Jahresbilanz vollständig aus erneuerbaren Quellen decken – mit Photovoltaik, Geothermie und einem durchdachten Wärmekreislauf.
Künstliche Intelligenz braucht Rechenleistung, und Rechenleistung braucht Strom. Am IPAI-Campus Heilbronn, in den vor allem die Dieter-Schwarz-Stiftung und die Schwarz-Gruppe investieren, stellt sich diese Frage in besonderem Maßstab. Grünen-Stadträtin Isabell Steidel hat deshalb bei der Heilbronner Verwaltung nachgefragt. Die Antworten, die laut Heilbronner Stimme von der Schwarz Immobilien Service GmbH & Co. KG sowie dem Rathaus stammen, geben einen konkreten Einblick in das Nachhaltigkeitskonzept.

Photovoltaik und Solarpark versorgen den IPAI-Campus Heilbronn
Einen Windpark planen die Verantwortlichen demnach nicht. Stattdessen setzt der IPAI-Campus auf Photovoltaik. Allein im ersten Bauabschnitt verbauen die Planer Solarpaneele mit einer Leistung von rund 3500 Kilowattpeak an den Gebäuden. Das reicht laut der Antwort aus, um jährlich gut 1000 Privathaushalte mit Strom zu versorgen. Zusätzlich soll ein Solarpark auf der freien Fläche entstehen. Details zu den weiteren Bauabschnitten liegen derzeit allerdings noch nicht vor – aktuell errichtet man die Gebäude des ersten Abschnitts, darunter Parkhaus und Besucherzentrum.
Das Ziel formuliert die Antwort an die Stadträtin klar: In der Jahresbilanz soll der gesamte Energiebedarf des Campus für den Gebäudebetrieb zu 100 Prozent aus erneuerbaren Quellen gedeckt werden, wie die Heilbronner Stimme berichtet. Dabei zählen auch regionale Quellen dazu, etwa Solarparks im Umkreis.

Abwärme, Geothermie und Wärmepumpen: Der Energiekreislauf am IPAI-Campus
Bei der Wärmeversorgung nutzt der IPAI-Campus einen ungewöhnlichen Nachbarn: Die Hauptwärmequelle bildet laut den Angaben die Abwärme aus den Kühlprozessen der Kaufland-Fleischwaren, die sich in unmittelbarer Nachbarschaft befinden. Ergänzend kommen Wärmepumpen an den Gebäuden zum Einsatz. Unter jedem Gebäude befindet sich zudem eine oberflächennahe Geothermie, die beim Heizen und Kühlen unterstützt. Stößt dieser Kreislauf an seine Grenzen, springen ein Sprinklertank als Wärmespeicher und ein Elektrokessel ein. Über das gesamte Energienetz des Campus kühlen die Betreiber auch das Rechenzentrum.

Mehr Grün als vorgeschrieben
Neben dem Energiekonzept spielt auch der Umweltschutz eine Rolle. Die Verantwortlichen legen deutlich mehr Grünflächen an, als der Bebauungsplan vorschreibt. Zisternen halten Regenwasser teilweise zurück, rund zwölf Prozent des Abflusses fließen laut den Angaben zurück in die Nutzung. Beim Thema Vogelschutz – viele Beobachter der Bautätigkeiten sorgen sich wegen der großen Glasflächen – verweist die Stadtverwaltung auf Vorgaben im Bebauungsplan Steinäcker. Die einzelnen Gebäude prüfe man bei der Baugenehmigung. Bei Bedarf lege man Maßnahmen fest, etwa den Einsatz von speziellem Vogelschutzglas.

Nachhaltigkeit dürfe kein Versprechen bleiben, sondern müsse messbar und überprüfbar sein, sagte ein IPAI-Sprecher gegenüber der Heilbronner Stimme. Man arbeite weiter an Themen wie der CO₂-Bilanz im Vollausbau und einem Nachhaltigkeitsmonitoring. Auch zusätzliche Optionen wie Windkraft und sogenannte Agri-PV, bei der Solaranlagen und Landwirtschaft auf denselben Flächen funktionieren, stünden auf der Prüfliste.