Von Redaktion, Foto: TUM Campus Heilbronn
Das erste Münchner Management Kolloquium am TUM Campus Heilbronn brachte Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft und Wissenschaft zusammen. Das Thema: Industrial AI und die Frage, was der Mittelstand wirklich braucht. Die Antwort fiel ehrlich aus.
Es gibt Veranstaltungen, bei denen man im Bus schon mit dem fachlichen Austausch beginnt. Das erste Münchner Management Kolloquium in Heilbronn war so eine. Rund 500 Teilnehmende reisten im »Rolling Campus« zum Bildungscampus, diskutierten auf der Fahrt bereits über KI-Technologien – und setzten das Gespräch dann bei Masterclasses, Vorträgen und einer Speakers Corner fort.
Das Thema der eintägigen Veranstaltung: Industrial AI. Also die Frage, unter welchen Rahmenbedingungen Unternehmen und Verwaltungen KI-Technologien einsetzen können. Organisiert wurde das Kolloquium von der Münchner Management Kolloquium GmbH und der TUM School of Management.
Dr. Ricarda Engelmeier, CEO des Münchner Management Kolloquiums, wies in ihrer Einführung auf bestehende Lernprozesse im Umgang mit KI-Technologien hin. Gerd Chrzanowski, Komplementär der Schwarz-Gruppe, betonte die Bedeutung einer eigenständigen digitalen Infrastruktur und verwies auf entsprechende Investitionen des Unternehmens seit 2017. Mit Blick auf geopolitische Entwicklungen bezeichnete er digitale Souveränität als zentrale Voraussetzung für handlungsfähige Organisationen. »Ich hoffe wirklich, dass dies ein Weckruf für Europa ist«, wird Chrzanowski in der Pressemitteilung zitiert.
Eine Frage zog sich durch die Veranstaltung: Wie kommen Unternehmen ins Handeln? Prof. Ali Sunyaev, Vizepräsident des TUM Campus Heilbronn, fragte: »Was braucht der Mittelstand?« Max Meister, Startup-Gründer und Co-Geschäftsführer der Ludwig Meister GmbH & Co. KG, gab später die ehrliche Antwort: »Einen langen Atem.«
Luise Pufahl, Professorin für Information Systems am TUM Campus Heilbronn, erläuterte anhand eines Aufzugsausfalls die Komplexität vernetzter technischer Systeme und merkte an: »Da hätte ich mir eine KI gewünscht.« Matthias Gohl, CDO von TK Elevator, stellte daraufhin Weiterentwicklungen im Bereich elektromagnetisch betriebener Aufzugssysteme vor, die vertikale und horizontale Bewegungen unabhängig voneinander ermöglichen.
Hartwig Anzt, Professor für Computational Mathematics am TUM Campus Heilbronn, präsentierte gemeinsam mit Professor Andrew Grimshaw Überlegungen zum Einsatz älterer Hardware in Rechenzentren, die mit überschüssigem Windstrom betrieben werden könnten. Entscheidend sei dabei die Stabilität des Stromnetzes, heißt es in der Pressemitteilung. Anzt verwies auf Analysepotenziale durch KI-Verfahren und Graphentheorie.
Im Bereich der Finanzvorhersagen wurden in Deutschland unter anderem bei SAP und an der Universität Freiburg KI-Modelle entwickelt – als Beispiele für eigenständige Entwicklungen im europäischen Kontext.
Das Kolloquium bot parallel laufende Programmpunkte, zwischen denen die Teilnehmenden wählen konnten. Ulrich Korus vom Softwareanbieter Dataiku sagte: »Ich freue mich über die Dichte und Tiefe an Information, die hier geboten wird.«
Prof. Horst Wildemann, Gründer des Münchner Management Kolloquiums, verwies in seinem Beitrag auf eine frühere Begegnung mit Porsche-Vorstand Albrecht Reimold: »Ich habe ihn vor 30 Jahren als ›Spezialist für das Biegen von Aluminiumblechen‹ kennengelernt.«
Was bleibt von einem solchen Tag? Die Erkenntnis, dass es beim Einsatz von Industrial AI um mehr geht als Technologie. Es geht um strategische Entscheidungen, digitale Souveränität, organisatorische Voraussetzungen – und um einen langen Atem. Genau das, was Max Meister als Antwort auf die Frage gab, was der Mittelstand braucht.