Heilbronns digitale Zukunftswerkstatt: Wie der Bildungscampus zum smartesten Reallabor Europas wird

Von Redaktion, Foto: Ideogram/Robert Mucha

Die Smart Campus Initiative (SCI) verwandelt den Bildungscampus Heilbronn in ein lebendiges Experimentierfeld für die Stadt von morgen. In einem aktuellen Whitepaper des Fraunhofer IAO wird dokumentiert, wie der Campus durch smarte Services, datenbasierte Technologien und ko-kreative Methoden zum lebenswertesten und intelligentesten Campus Europas werden soll.

Auf den ersten Blick sieht man gepflegte Grünanlagen, moderne Architektur und Studierende mit Laptops. Doch unter der Oberfläche des Bildungscampus Heilbronn pulsiert ein digitales Nervensystem, das den Alltag aller Campusnutzenden revolutionieren soll. Seit 2018 arbeitet die Smart Campus Initiative (SCI) des Fraunhofer IAO daran, diesen Ort in ein Reallabor für die Entwicklung und Erprobung smarter Dienstleistungen zu verwandeln.

„Der Campus bietet ideale Bedingungen für die Entwicklung nachhaltiger Innovationen“, erklärt Robert Rathke von der Schwarz Campus Service GmbH. „Hier können wir unter Reallaborbedingungen vergleichsweise schnell und unbürokratisch Lösungen erproben und umsetzen.“

Das Besondere: Die Nutzerinnen und Nutzer werden von Anfang an in die Entwicklung einbezogen. Studierende, Mitarbeitende und Besuchende arbeiten in ko-kreativen Workshops gemeinsam mit Experten an Lösungen, die den Campus lebenswerter machen sollen. Dieser partizipative Ansatz ist laut Whitepaper „europaweit einzigartig“.

In sieben Handlungsfeldern entwickelt die SCI konkrete Anwendungsfälle: Mobilität, Energie und Umwelt, Logistik, Gebäude und Flächen, Kultur und Identität, Leben und Gesundheit sowie Bildung und Forschung. Die Bandbreite der bereits umgesetzten Projekte ist beeindruckend:

Ein Parkhausprognose-System analysiert mithilfe künstlicher Intelligenz die Belegungsdaten und zeigt in der Campus-App an, wo in den nächsten 60 Minuten Parkplätze verfügbar sein werden. „Durch KI-gestützte Prognosen soll eine bessere Planbarkeit für Anreisende ermöglicht werden“, heißt es im Whitepaper.

Der Campusroboter „Temi“ unterstützt Menschen mit Beeinträchtigungen bei der Navigation über den Campus. Die Begleitforschung untersucht dabei, wie die Akzeptanz solcher Technologien gefördert werden kann.

Mit „LOOMI“ wurde kürzlich ein zweiter Roboter vorgestellt, der das Facility Management unterstützt. Auf einer festen Route überwacht er Klimaanlagen, Senkpoller und die Zugänglichkeit von Flucht- und Rettungswegen.

Besonders innovativ ist das CO2-Feature für die Campus-App: Studierende können ihren persönlichen CO2-Fußabdruck in den Bereichen Mobilität und Ernährung tracken. Gamification-Elemente sollen zusätzlich motivieren, nachhaltiger zu leben. „Ein digitaler Tamagotchi-Baum könnte durch nachhaltigere Mobilitäts- und Ernährungsentscheidungen wachsen“, beschreibt das Whitepaper einen der studentischen Vorschläge.

Die technische Grundlage für all diese Anwendungen bildet eine Cloud-Native-Infrastruktur, die Daten von Sensoren in Echtzeit verarbeitet und für verschiedene Services nutzbar macht. „Entstehende Daten können von verschiedenen Entwicklerinnen und Entwicklern für Machine Learning-Modelle verwendet und gleichzeitig mit diversen Cloud Services verschneidet werden“, erläutert das Fraunhofer IAO.

Das Ziel dieser Aktivitäten reicht über den Campus hinaus. Viele der Lösungen könnten auf städtische Quartiere oder ganze Kommunen übertragen werden. So könnte die Parkhausprognose-Technologie auch in Innenstädten den Parksuchverkehr reduzieren, Serviceroboter in anderen öffentlichen Einrichtungen zum Einsatz kommen.

Der Bildungscampus wird so zur Zukunftswerkstatt für die Stadt von morgen – eine Entwicklung, die das Fraunhofer IAO weiter wissenschaftlich begleiten und dokumentieren wird.

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