Von Redaktion, Foto: Stadt Heilbronn
Mit neuer Umweltmarke bewirbt sich Heilbronn um den Titel „Grüne Hauptstadt Europas 2027“ – am 2. Oktober fällt die Entscheidung
Die Botschaft ist kurz, die Absicht dahinter umso größer: „heilbronn.now“ – drei Wörter, die Heilbronns Ambitionen im Klimaschutz auf den Punkt bringen sollen. Die neue Umweltmarke, die die Stadt am 16. September präsentierte, ist mehr als nur ein Logo. Sie ist das Aushängeschild für die Bewerbung um den European Green Capital Award 2027 – und ein Versprechen an die eigenen Bürger.
Am kommenden Mittwoch, dem 2. Oktober, entscheidet sich in Vilnius, der aktuellen Grünen Hauptstadt Europas, wer 2027 den begehrten Titel tragen darf. Heilbronn steht im Finale, konkurriert mit Debrecen in Ungarn und Klagenfurt am Wörthersee. Die Chancen? Schwer zu sagen. Aber dass die 132.000-Einwohner-Stadt es überhaupt so weit geschafft hat, zeigt: Hier passiert mehr als nur Symbolpolitik.

„Nachhaltigkeit ist kein Projekt mit Enddatum, sondern ein fortwährender Prozess“, sagte Oberbürgermeister Harry Mergel bei der Präsentation der neuen Marke laut Pressemitteilung der Stadt. „Heilbronn übernimmt Verantwortung für die nachfolgenden Generationen – jetzt.“ Das klingt nach den üblichen Politikerphrasen, hat in Heilbronn aber durchaus Substanz.
Die Stadt bündelt unter „heilbronn.now“ konkrete Maßnahmen: Photovoltaikanlagen auf städtischen Dächern, Ausbau des Radwegenetzes, Bildungsangebote für Kinder zu Müllvermeidung und Abfalltrennung. Das Kommunale Nachhaltigkeitsbüro unter Leitung von Dr. Julia Hufnagel koordiniert die Aktivitäten, die im Mobilitätskonzept Heilbronn 2030, einem Lärmaktionsplan, einem Luftreinhalteplan und einem Klimaschutzkonzept festgeschrieben sind.
Für Heilbronn kommt der grüne Wandel zur richtigen Zeit. Während die Stadt sich mit dem Bildungscampus und Institutionen wie dem Fraunhofer IAO, der DHBW oder den Campus Founders als Wissenschaftsstandort neu erfindet, gehört Nachhaltigkeit zunehmend zum Standortfaktor. Wer kluge Köpfe anlocken will, muss auch eine lebenswerte Stadt bieten – mit sauberer Luft, grünen Flächen und funktionierender Mobilität jenseits des Autos.
Die neue Umweltmarke soll dabei auch nach innen wirken. „Heilbronn.now“ ist ein Aufruf zum Mitmachen, wie die Stadt auf ihrer neuen Website betont. Bürgerinitiativen wie Baumpatenschaften oder die Aktion „Abpflastern & Begrünen“ zeigen: Die Verwaltung allein kann den Wandel nicht stemmen. Es braucht die ganze Stadt.
Dass Heilbronn Teil einer „internationalen Gemeinschaft für Klimaschutz und Nachhaltigkeit“ sein wolle, wie Mergel es formuliert, mag ambitioniert klingen für eine Stadt, die lange vor allem für Salz und Sekt bekannt war. Doch der Wandel ist sichtbar: Die Hochschule Heilbronn strebt die Klimaneutralität bis 2030 an, auf dem Bildungscampus entstehen energieeffiziente Neubauten, und beim diesjährigen Stadtradeln legten die Heilbronner 400.000 Kilometer zurück.
Ob das für den Titel „Grüne Hauptstadt Europas“ reicht, zeigt sich in wenigen Tagen. Die Konkurrenz schläft nicht: Klagenfurt punktet mit seiner Lage am Wörthersee und langer Umwelttradition, Debrecen als zweitgrößte Stadt Ungarns hat eigene Trümpfe.
Aber selbst wenn es nicht klappt mit dem Titel: Die Bewerbung hat Heilbronn gezwungen, sich ehrlich zu machen. Wo steht die Stadt beim Klimaschutz? Was funktioniert, was nicht? Die neue Marke „heilbronn.now“ ist auch eine Selbstverpflichtung. Jetzt, wo sie öffentlich ist, gibt es kein Zurück mehr.
Die Stadt hat sich festgelegt: nicht irgendwann, sondern now. Das ist mutig in Zeiten, in denen Klimaschutz oft als Kostenfaktor gilt. Heilbronn setzt dagegen auf die Erzählung vom Klimaschutz als Chance – für Lebensqualität, Wirtschaft und Zukunftsfähigkeit. Am Mittwoch wird sich zeigen, ob diese Geschichte auch die Jury in Vilnius überzeugt.
Weitere Informationen zur Umweltmarke und den Projekten unter www.heilbronn.now