Heilbronn baut sich in den Himmel: Ein Turm für die Zukunft

Von Robert Mucha, Foto: Kruck & Partner

Es ist ein Donnerstag im Juni 2024, und Heilbronn feiert sich selbst. Mitten im Innovationspark an der Edisonstraße steht er nun, der hip-Turm. 35 Meter hoch, ein Koloss aus Beton und Glas, der in den Himmel ragt wie ein überdimensionaler Zeigefinger. Seht her, scheint er zu sagen, hier entsteht die Zukunft.

Die Festgäste keuchen die Treppen hoch, acht Stockwerke, Schweiß auf der Stirn. Oben angekommen, der Blick über die Stadt. Experimenta, Marrahaus, Neckarbogen. Heilbronns Skyline, ein Zeugnis des Wandels. Und mittendrin der neue Turm, Heimat der ETH Zürich ab 2025.

Die ETH, das ist für die akademische Welt, was der FC Bayern für den Fußball ist. Weltklasse, Crème de la Crème. Dass sie nach Heilbronn kommt, grenzt an ein Wunder. Oder an die Macht des Geldes. Die Dieter-Schwarz-Stiftung hat ihre Finger im Spiel, so viel ist klar.

Reinhold Geilsdörfer, Geschäftsführer der Stiftung, kann sein Grinsen kaum verbergen. Er spricht von einem Alleinstellungsmerkmal, von herausragender Qualität. Und dann lässt er die Bombe platzen: Weitere Forschungsgesellschaften sollen kommen. Namen nennt er keine. Aber man kann förmlich hören, wie in den Köpfen der Anwesenden die Spekulationen beginnen.

Doch Geilsdörfer mahnt auch. Die Stadt müsse offener werden, weltoffener. Junge Menschen aus fernen Ländern willkommen heißen. Ein Seitenhieb auf das manchmal etwas provinzielle Heilbronn? Wer weiß.

Thomas Strobl, Innenminister und Heilbronner Urgestein, blickt derweil in die Zukunft. Er erinnert an die Zeiten, als über Heilbronn nur schlecht geredet wurde. Diese Zeiten sind vorbei, sagt sein Blick. Hier wird Zukunft gebaut.

Oberbürgermeister Harry Mergel sieht schon ein „vorbildliches urbanes Quartier“ entstehen. Ein Leuchtturm, der auf die ganze Stadt ausstrahlen soll. Große Worte, große Visionen.

Joachim Kruck, lokaler Projektentwickler, nimmt die Anwesenden mit auf eine Zeitreise. Er erinnert daran, dass hier einst Autohäuser und Schnellrestaurants geplant waren. Fast kann man das kollektive Schaudern spüren, das durch den Raum geht. Zum Glück ist das nicht passiert, sagt Kruck. Qualität statt Masse, das ist hier die Devise.

Und dann ist da noch die Sache mit Camao TEC. Eigentlich sollten sie Hauptmieter werden. Jetzt sind sie Teil der Schwarz-Gruppe. Für die Stiftung ein Glücksfall. Sie braucht jeden Quadratmeter. Denn die Zahl der Studenten soll von 8000 auf 20 000 wachsen. Eine Stadt im Wandel, ein Campus im Wachstum.

Der hip-Turm steht da wie ein Ausrufezeichen. 30 Millionen Euro hat er gekostet. Ein Schnäppchen, wenn man bedenkt, was er symbolisiert. Heilbronn will hoch hinaus. Weg vom Image der Provinzstadt, hin zur Innovationsmetropole.

Ob das gelingt? Die Zukunft wird es zeigen. Aber eines ist sicher: Langweilig wird es in Heilbronn in den nächsten Jahren nicht. Die Stadt baut sich neu, Stockwerk um Stockwerk. Und ganz oben, da sitzt bald die akademische Elite und blickt auf eine Stadt, die gerade dabei ist, sich selbst neu zu erfinden.