Global Technology Forum: Internationale Spitzenforscher besuchen Greiftechnik-Weltmarktführer Schunk

Von Redaktion, Foto: TUM Campus Heilbronn

Beim Besuch in Brackenheim-Hausen trafen Wissenschaftler aus Jerusalem, Oxford und Paris auf Roboter mit Vornamen. Was nach Werksbesichtigung klingt, ist Teil einer größeren Idee: den Mittelstand mit der Wissenschaft zu verbinden.

Oscar fährt einfach vorbei. Kein Gruß, keine Ankündigung – der Roboter hat zu tun. Bei Schunk in Brackenheim-Hausen haben viele Roboter einen Namen. Es ist laut TUM-Mitteilung ein Zeichen dafür, dass man sich mit der neuen Technik identifiziert. Und es ist eine kleine Szene, die zeigt, worum es beim Global Technology Forum des TUM Campus Heilbronn geht: die Zukunft von Künstlicher Intelligenz nicht nur zu diskutieren, sondern zu sehen, wo sie bereits arbeitet.

Mehr als 100 Partnerschaften pflegt die Hebrew University of Jerusalem mit anderen Universitäten weltweit. „Aber maximal zwei oder drei sind so bedeutsam wie das hier“, sagt Guy Harpaz, Vice President for International Affairs der israelischen Universität, laut TUM-Mitteilung. Was er meint, wurde beim Besuch des Greiftechnikspezialisten Schunk konkret: Hier wird „begreifbar“, worum es beim Forum eigentlich geht – eine Plattform für die Zukunft von Künstlicher Intelligenz zu schaffen.

Greifer, die loslassen können

Der Weltmarktführer aus dem Zabergäu hat einiges zu zeigen. Schunk-CTO Timo Gessmann präsentierte laut TUM-Mitteilung Technologien, die ohne enge Zusammenarbeit mit Universitäten nicht denkbar wären. „Wir freuen uns, dass wir mit Veranstaltungen wie dem GTF neue Bande in die Wissenschaft knüpfen können“, sagte Gessmann.

Was man bei Schunk unter „Greifer“ versteht, lässt sich nicht in einem Satz zusammenfassen. Menschlich anmutende Hände kommen hier ebenso zum Einsatz wie ein Stempel mit weicher Oberfläche, ein sogenannter Adhäsionsgreifer. Er kann dank feinster Härchen Werkstücke mit reiner Oberflächenenergie anheben. „Der Trick ist dann nicht mehr das Greifen, sondern das Loslassen“, erläuterte Martin May, verantwortlich für Forschung und Entwicklung, laut TUM-Mitteilung. Für die Fünf-Finger-Greifer sei die Zusammenarbeit mit der Universität Stanford essenziell gewesen. So wird man Weltmarktführer.

26 Jahre Transformation

Wie schnell sich das Unternehmen verändert hat, machte Uwe Weil deutlich. Als er vor 26 Jahren bei Schunk angefangen habe, sei eine CNC-Maschine so ziemlich das Einzige an Automatisierung gewesen. Kein Vergleich zu dem, was und wie Schunk heute produziert und seine Warenströme organisiert. Die Logistik läuft laut TUM-Mitteilung in Teilen vollautomatisch über ein Autostore-Kleinteilelager. In der Produktion arbeiten Roboter – häufig ausgerüstet mit der hauseigenen Greiftechnik – selbstständig vor sich hin. „Dieser hier wird einmal am Morgen eingerichtet und mit Material versorgt“, erzählte Weil laut Mitteilung. „Dann arbeitet er drei Schichten durch, und am nächsten Morgen sind die fertigen Teile säuberlich aufgereiht.“

Ein Think Tank für Spitzenkräfte

Professor Ali Sunyaev, Vizepräsident am TUM Campus Heilbronn, betonte laut Mitteilung die strategische Bedeutung solcher Besuche: „Es sind nicht nur die Top-Einrichtungen, sondern auch die Top-Wissenschaftler zum Global Technology Forum gekommen. Es ist damit nicht nur einfach ein Treffen, sondern es entsteht ein Think Tank, der ähnlich wie das World Economic Forum in Davos die Spitzenkräfte der Tech-Entwicklung zusammenbringt.“ Ein zentrales Ziel sei es, den Mittelstand besser zu verstehen.

Internationale Stimmen

Dass dies gelingt, zeigte sich in den Reaktionen der internationalen Gäste. Andrea Masini, Professor an der HEC Paris, zeigte sich laut TUM-Mitteilung beeindruckt von der Vision und der „Roadmap“, die in Heilbronn so konsequent verfolgt werde.

Vicki Nash, Direktorin des Oxford Internet Institute, würdigte laut Mitteilung das Engagement: Hier gebe es nicht nur eine technologische Vision, sondern auch eine soziale. Die Dieter Schwarz Stiftung und ihr Stifter wollten der Stadt offensichtlich etwas zurückgeben – „und das finde ich sehr bemerkenswert“.

Automatisierung mithilfe von KI und Robotik ist bei Schunk nicht nur Geschäftsmodell, sondern wird auch intern genutzt. Oscar und seine Kollegen sind der Beweis.

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