Von Redaktion, Foto: TUM
Professor Rudi Zagst schickt seine Studierenden an Schulen, um über finanzielle Risiken aufzuklären. Anfang Dezember kommen sie erstmals nach Heilbronn – mit Fußballvergleichen und einer klaren Botschaft.
Die Idee kam ihm beim Fernsehen. Rudi Zagst, Professor für Finanzmathematik an der TU München, sah einen Bericht über die fehlende Finanzbildung an deutschen Schulen. „Wir lassen Kinder auf eine Welt los, auf die sie nicht vorbereitet sind“, sagt er im Gespräch mit der aim Akademie. „Als Erwachsene geraten sie dann nicht selten in finanzielle Schwierigkeiten und ganze Familien werden ruiniert. Solche Dramen will ich verhindern.“
Vor zwei Jahren hat Zagst im Elitestudiengang „Finance & Information Management“ ein Projekt gestartet, bei dem Studierende ehrenamtlich Finanzwissen an Schulen vermitteln. Anfang Dezember kommen sechs von ihnen erstmals zur aim Heilbronn, um dort Workshops für Oberstufenklassen aus der Region anzubieten.
Wer Vorteile genießt, muss zurückgeben
Die Motivation hinter dem Projekt ist für Zagst klar: „Wir wollen sozial verantwortungsbewusste Führungskräfte im Bereich Finanzen und Informationsmanagement ausbilden“, erklärt er im aim-Interview. „Unsere Studierenden haben in einem der besten Studiengänge der Wirtschaftswissenschaften viele Vorteile. Da ist es wichtig, auch wieder etwas zurückzugeben.“
Es geht ihm um mehr als Wissensvermittlung. „Ich möchte, dass die Studierenden auf dem Boden bleiben“, sagt Zagst laut aim-Bericht. „Wer ein Unternehmen menschlich und verantwortungsvoll führen will, sollte morgens auch dem Pförtner Hallo sagen.“
Die Finanz-Workshops sind Teil eines größeren Engagements. Im Studiengang beteiligen sich Studierende an Charity Runs für benachteiligte Kinder und beschäftigen sich in Pflegeheimen mit Senioren. „Wir holen daher junge Leute an die TUM, die nicht nur sehr gut sind, sondern auch soziale Verantwortung übernehmen“, so Zagst.
Das Runde muss ins Eckige
Die Methode, mit der die Studierenden Finanzwissen vermitteln, stammt aus Zagsts Buch „Fit für die Geldanlage“. Die Idee: komplexe Anlagestrategien am Beispiel einer Fußballmannschaft erklären. „Jeder weiß, das Runde muss ins Eckige – mit Fußball kann jeder etwas anfangen“, sagt er im aim-Interview.
Ursprünglich wollte Zagst Fußballprofis aufklären. Es gibt viele, die nach ihrer Karriere pleite sind. „Bis auf drei Besuche bei den Nachwuchsspielern von Mönchengladbach bin ich an die Spieler aber nicht herangekommen“, erzählt er laut aim-Bericht. „Die Vereine wollen offenbar keinen Ärger mit den Beratern.“
Schulen erwiesen sich als offener. In zwei Jahren haben die Studierenden knapp 30 Schulen besucht und mit ihren Workshops etwa 1000 junge Menschen in Bayern und Baden-Württemberg erreicht.
Ein Fünftel der Jugendlichen hat Schulden
Die Zahlen unterstreichen die Dringlichkeit. Laut der Studie „Jugend in Deutschland 2025″ hat ein Fünftel der 14- bis 29-Jährigen in Deutschland Schulden – ein Rekordwert. Zagst ist überzeugt, dass Finanzbildung im Lehrplan verankert sein sollte. „Aber die Frage ist ja, was wird dann gestrichen, und können die Lehrer dies leisten? Hier wollen wir helfen“, sagt er im aim-Interview.
Das Ziel der Workshops: Schülerinnen und Schüler sollen Risiken selbst einschätzen können. „Sie wissen, dass Aktien kein Spiel sind, sondern Wetten auf die Zukunft, und was die Unterschiede zum Sparbuch sind“, so Zagst laut aim-Bericht. „Wir klären darüber auf, dass man Finanzanlagen planen muss.“
Neue Kooperation mit der Dieter Schwarz Stiftung
Dass die Workshops nun auch in Heilbronn stattfinden, verdankt sich einer neuen Kooperation. „Nach mehreren Besuchen in Heilbronn bin ich beeindruckt davon, was die Schwarz Stiftung alles macht“, sagt Zagst im aim-Interview. Die Zusammenarbeit kam über Gunther Friedl zustande, Geschäftsführer der TUM School of Management. „Es freut mich sehr, dass die Stiftung unsere Workshops Anfang Dezember bei der aim Heilbronn ermöglicht.“
Die aim, von der Dieter Schwarz Stiftung geförderte Akademie für innovative Bildung und Management, bietet den Rahmen für die Veranstaltung. Sechs Oberstufenklassen aus der Region werden teilnehmen.
Glück weitergeben
Auf die Frage nach seiner persönlichen Motivation antwortet Zagst im aim-Interview: „Ich habe auf meinem beruflichen Weg selbst viel Glück gehabt und immer wieder Menschen getroffen, die mir Türen geöffnet haben. Wer Glück empfängt, sollte aber auch bereit sein, von diesem Glück etwas weiterzugeben. Das versuche ich meinen Studierenden durch mein Engagement vorzuleben und ich freue mich sehr, dass sie diesem Beispiel folgen.“
Den ehrenamtlichen Einsatz seiner Studierenden hält er laut aim-Bericht für ein starkes Signal, „insbesondere in unserer individualistischen Gesellschaft“. „Gemeinsam wollen und können wir es schaffen, möglichst viele Kinder auf ihre Zukunft vorzubereiten und sie hoffentlich vor finanziellen Problemen bewahren.“