Von Redaktion, Foto: ETH Zürich Campus Heilbronn
Die akademische Ausrichtung des neuen Standorts auf dem Bildungscampus steht. Acht Stellen werden nun ausgeschrieben – der Schwerpunkt liegt auf Künstlicher Intelligenz, Cybersicherheit und gesellschaftlich relevanten Anwendungsfeldern.
Wer wissen will, was eine Universität vorhat, muss auf die Professuren schauen. Sie bestimmen, welche Themen erforscht werden, welche Studierenden kommen, welche Kooperationen entstehen. Für den ETH Zürich Campus Heilbronn ist diese Frage nun beantwortet.
Die Schulleitung der ETH Zürich hat 17 Professurenprofile verabschiedet und damit die akademische Ausrichtung des neuen Standorts in Baden-Württemberg festgelegt. Das teilte die Hochschule am 18. November mit. Die Vereinbarung zwischen der ETH Zürich und der Dieter Schwarz Stiftung sieht vor, dass über die nächsten 30 Jahre 15 ETH-Professuren in Heilbronn etabliert werden. Die ersten Ausschreibungen werden nun vorbereitet.
Mehr Profile als Stellen – aus gutem Grund
Dass 17 Profile für 15 Professuren entwickelt wurden, ist kein Versehen. ETH-Präsident Joël Mesot erklärt die Differenz laut Mitteilung so: „Uns ist es wichtig, mit Blick auf künftige Entwicklungen in den Forschungsbereichen eine gewisse Flexibilität zu wahren.“ Die ETH könne so auch auf Chancen reagieren, die sich aus dem Ökosystem Heilbronn ergeben, etwa im Zuge von Kooperationen.
Das Ökosystem, von dem Mesot spricht, ist bereits beachtlich. Auf dem Bildungscampus arbeiten die TUM, die Hochschule Heilbronn, die DHBW, die 42 Heilbronn, Fraunhofer-Institute und zahlreiche weitere Einrichtungen. Mit dem IPAI entsteht in Heilbronn zudem eines der größten KI-Zentren Europas. Die ETH Zürich wird Teil dieses Geflechts – und will es mitgestalten.
Fundament aus KI und Cybersicherheit
Die inhaltliche Struktur des Campus folgt einem klaren Prinzip: Erst das Fundament, dann die Anwendung. Sieben bis acht Professuren sollen laut ETH-Mitteilung in den Grundlagen der Künstlichen Intelligenz sowie der Informations- und Cybersicherheit angesiedelt werden.
Bei den „Foundations of AI“ geht es laut Mitteilung nicht allein um die Weiterentwicklung der Grundlagen, sondern auch um die Erarbeitung geeigneter KI-Methoden. Die „Foundations of Information & Cyber Security“ fokussieren auf den Schutz digitaler Infrastrukturen in den Bereichen Datenschutz und Systemrobustheit. Diese Profile wurden von den Departementen Mathematik, Informatik sowie Informationstechnologie und Elektrotechnik entwickelt.
Gesellschaftlich relevante Anwendungsfelder
Auf diesem Fundament bauen acht weitere Professuren mit thematischem Fokus auf. Sie sind laut ETH-Mitteilung in Clustern gruppiert und adressieren aktuelle und aufkommende globale Herausforderungen.
Ein Schwerpunkt liegt auf der Entwicklung menschenzentrierter KI-Systeme, die technische Finesse mit ethischer Reflexion und sozialer Verantwortung verbinden sollen. Hier wurden Profile aus den Departementen Geistes- und Sozialwissenschaften sowie Architektur berücksichtigt.
Ein weiterer Schwerpunkt zielt auf wissenschaftliche Durchbrüche mit greifbarem Nutzen für die Gesellschaft – namentlich in den Bereichen Gesundheit und Umwelt. Die Profile im Bereich Life Sciences stammen laut Mitteilung aus den Departementen Biologie, Biosysteme sowie Informatik. Der Themenbereich Resources & Sustainability umfasst Profile aus den Departementen Chemie und Angewandte Biowissenschaften, Materialwissenschaft sowie Umweltsystemwissenschaften.
Erste Ausschreibungen in Vorbereitung
Für die erste Ausschreibungsrunde hat die Schulleitung acht Profile freigegeben. Sieben davon betreffen die Grundlagen, während das achte Profil im Bereich Life Sciences angesiedelt ist. Der Stab Professuren bereitet laut Mitteilung unter Hochdruck die ersten Berufungen vor, gemeinsam mit den zuständigen Departementen. Parallel treibt die Abteilung für Lehre und Lernen die konzeptionelle Entwicklung der künftigen Studienprogramme voran.
„Mit der Verabschiedung der Profile haben wir einen Meilenstein erreicht, zu dem ganz viele ETH-Angehörige in den Departementen, aber auch in den Zentralen Organen beigetragen haben“, sagt Mesot laut ETH-Mitteilung. Er dankt der Expertenkommission, dem ETH Zürich Campus Heilbronn Advisory Board und dem Stab Professuren für ihre Arbeit.
Mit Blick auf das kommende Jahr sagt Mesot: „Ich freue mich auf die Gespräche mit Spitzenforschenden, die mit uns in Heilbronn die verantwortungsvolle digitale Transformation gestalten wollen.“
Ein mehrstufiger Auswahlprozess
Die Auswahl der Profile erfolgte laut ETH-Mitteilung in einem zweistufigen Evaluationsverfahren. Zunächst waren alle Departemente eingeladen, sogenannte Pre-Proposals einzureichen. Eine vom ETH-Präsidenten eingesetzte Expertenkommission bewertete diese, bevor die Schulleitung im März entschied, welche Eingaben zu vollständigen Proposals ausgearbeitet werden sollten. Bis Juni gingen 28 vollständige Proposals für 30 Profile ein. Die Expertenkommission begutachtete sie erneut, ihre Empfehlung bildete die Basis für den Schulleitungsentscheid im Oktober.
Seit Januar 2025 hat die Geschäftsstelle der ETH Zürich in Heilbronn mit Dr. Michele De Lorenzi als Geschäftsführer ihre Arbeit aufgenommen. Die ersten Professuren werden voraussichtlich ab 2026 ihre Lehr- und Forschungstätigkeit am ETH Zürich Campus Heilbronn beginnen.