Von Redaktion, Fotos: ETH Foundation / Valeriano di Domenico
Die ETH Zürich hat am 2. Juli 2026 offiziell den ETH Zürich Campus Heilbronn eröffnet, ihren ersten Standort in Deutschland. Auf dem Bildungscampus entsteht in Zusammenarbeit mit der Dieter Schwarz Stiftung ein Zentrum für Künstliche Intelligenz, Datenwissenschaften und verantwortungsvolle Digitalisierung. Bis 2031 sollen dort 15 Professuren forschen und lehren. Zum Festakt kamen Gäste aus Politik und Wissenschaft aus der Schweiz, Deutschland und Baden-Württemberg.
Wer auf dem Heilbronner Bildungscampus nach einer Adresse sucht, findet dort inzwischen eine bemerkenswerte Nachbarschaft: die Technische Universität München, Institute der Max-Planck- und der Fraunhofer-Gesellschaft sowie den Innovation Park Artificial Intelligence. Seit dem 2. Juli 2026 gehört ein weiterer Name dazu, der international Gewicht hat. An diesem Tag eröffnete die ETH Zürich offiziell ihren ersten Standort in Deutschland.
Rund zwei Jahre nach der Unterzeichnung einer gemeinsamen Absichtserklärung ist damit aus einer Ankündigung ein realer Campus geworden. Den Anstoß gab im Dezember 2023 eine Donation der Dieter Schwarz Stiftung. Seither hat die Hochschule in Heilbronn eine Geschäftsstelle aufgebaut, erste Lehrveranstaltungen umgesetzt und die rechtlichen Grundlagen geklärt. So sollen Forschende und Studierende vor Ort gleichwertige Bedingungen wie in Zürich vorfinden.

Ein Festakt mit Prominenz aus Politik und Wissenschaft
Den feierlichen Festakt eröffneten ETH-Präsident Joël Mesot und Prof. Reinhold R. Geilsdörfer, Vorsitzender Geschäftsführer der Dieter Schwarz Stiftung, gemeinsam. Dabei waren zudem Bundesrat Albert Rösti, die schweizerische Staatssekretärin Martina Hirayama, Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche sowie die baden-württembergische Wissenschaftsministerin Petra Olschowski.
Für die Dieter Schwarz Stiftung ordnet Geilsdörfer die Eröffnung in ein wachsendes Innovationsökosystem ein. »Mit der ETH Zürich gewinnt unser lokales Innovationsökosystem einen weiteren Partner von internationalem Format, mit dem wir Heilbronn als Forschungsstandort im Bereich der Künstlichen Intelligenz und Digitalisierung noch stärker global positionieren«, sagte er laut Pressemitteilung der Stiftung.
Ministerin Olschowski wählte eine knappere Formel. »Hier wächst zusammen, was richtig gut zusammenpasst«, sagte sie. Zürich und Heilbronn gehörten zu den lebendigsten Innovationsökosystemen Europas, so Olschowski weiter. Bundesrat Rösti wiederum zeigte sich überzeugt, dass sich bereits abzeichne, dass gerade die Forschungsgebiete des neuen Campus die kommenden Jahre prägen und teils sogar revolutionieren würden.
Was auf dem ETH Zürich Campus Heilbronn erforscht wird
Inhaltlich setzt der Standort auf Schlüsseltechnologien. Im Zentrum stehen Künstliche Intelligenz, Datenwissenschaften und Cybersicherheit. Wie in Zürich verbindet die ETH dabei Grundlagenforschung, etwa in Mathematik und Informatik, mit anwendungsnaher Forschung in den Life Sciences.
Bis 2031 sollen insgesamt 15 Professorinnen und Professoren in Heilbronn forschen und lehren. Die ersten Stellen hat die Hochschule bereits ausgeschrieben, weitere folgen. Dass sie den Aufbau langfristig anlegt, machte Mesot im Interview mit der ETH-Hochschulkommunikation deutlich. »Für mich ist dies eine der wichtigsten Initiativen der ETH Zürich für die kommenden Jahre«, sagte er dort.
Was den Standort besonders mache, sei die Dichte an Spitzeninstitutionen an einem Ort, erklärte Mesot weiter. Diese Nachbarschaft aus TU München, Max-Planck- und Fraunhofer-Instituten sowie die Nähe zum IPAI gebe es so in Zürich nicht. Man wolle in Heilbronn einen Hub für die verantwortungsvolle digitale Transformation aufbauen, so Mesot laut Stiftung, und die ETH sei gekommen, um zu bleiben.
Eine Brücke zwischen Zürich und Heilbronn
Der neue Campus soll kein Ableger auf Distanz sein, sondern eng mit dem Stammhaus verzahnt. Die 15 Heilbronner Professuren ordnet die ETH laut Mesot einem Department in Zürich zu. Dank der Donation entstehen zudem fünf weitere Professuren in Zürich selbst.
Den Austausch zwischen beiden Standorten will die Hochschule aktiv organisieren. Geplant sei eine Art »Super Sabbatical«, bei dem Professorinnen und Professoren aus Zürich für ein Jahr nach Heilbronn wechseln, sagte Mesot im Interview. Studierende sollen zudem Kurse an beiden Orten belegen können. Mesot beschreibt das Modell als stark vernetztes, mobiles ETH-System.
Zugleich sieht die Hochschule in Heilbronn eine Chance, Lehre und Forschung neu zu denken. Auf der »grünen Wiese« lasse sich Neues ausprobieren, so Mesot. Heilbronn solle deshalb keine Kopie von Zürich werden, sondern ein eigenes Profil innerhalb der ETH-Identität entwickeln. Sein Wunsch für den Standort: dass dieser in zehn bis fünfzehn Jahren so lebendig sei, dass ein weiterer Ausbau nötig werde.