Von Redaktion, Foto: experimenta
Die experimenta spendet Mitmachstationen nach Kiew und Czernowitz – während draußen der Krieg tobt, lernen Kinder drinnen, wie Energie entsteht
Während in der Ukraine Kraftwerke bombardiert werden, lernen Kinder in Kiew, wie ein Sonnenkraftwerk funktioniert. Die experimenta hat elf Mitmachstationen an das Science Museum der ukrainischen Hauptstadt gespendet, vier weitere gingen nach Czernowitz. Am 8. Oktober eröffnete die Ausstellung zum fünfjährigen Jubiläum des Museums – mit hochrangigen Gästen: Yevhen Kudriavets, erster stellvertretender Minister für Bildung und Wissenschaft, Stanislav Dovhyi, Präsident der Juniorakademie der Wissenschaften der Ukraine (JASU), und Olena Kvachevska, amtierende Direktorin des Nationalen Zentrums der JASU, wie die experimenta mitteilt.
„Dem gesamten experimenta-Team möchte ich unseren Dank für die Spende und die Unterstützung der Bildungsinitiativen der JASU aussprechen“, wird Vasyl Demets zitiert, stellvertretender Direktor für die Entwicklung von Wissenschaftszentren bei der JASU. „Ich bin glücklich, dass Kinder in der Ukraine mit den Exponaten interagieren und mehr über das Thema Energie erfahren können.“
Die Stationen zeigen, wie Wasser- und Windräder funktionieren, wie Dampfmaschinen arbeiten, wie Elektrizität und Magnetismus zusammenhängen. Das „Sonnenkraftwerk“ demonstriert laut experimenta-Mitteilung, „wie Sonnenstrahlen mit Hilfe von Spiegeln und Photovoltaik in elektrische Energie umgewandelt werden“, das „Wellenkraftwerk“ zeigt „das Energiepotential, das in den Meeren steckt“.
Drei Jahre Überlegung, 19 Stationen Hilfe
Die Frage, die das experimenta-Team laut eigener Mitteilung seit drei Jahren beschäftigt: „Wie können wir Kinder und Jugendliche in der vom Krieg betroffenen Ukraine beim Lernen unterstützen?“ Die Antwort sind 19 Mitmachstationen aus dem alten Bestand des Science Centers, die bis zur Eröffnung des Neubaus im März 2019 in Heilbronn im Einsatz waren.
Über das europäische Netzwerk Ecsite fand die experimenta in der JASU einen Partner. Das ukrainische Team übersetzte alle Anleitungen, weitere Stationen werden derzeit angepasst und sollen dann an andere Wissenschaftsmuseen im Land verteilt werden.
„Zusammenhalt ist gerade in diesen schwierigen Zeiten wichtig“, wird Nico Wiest, Geschäftsführer der experimenta, in der Mitteilung zitiert. „Für uns sind das Teilen von Wissen und gegenseitiger Respekt elementare Werte. Deshalb unterstützen wir mit unseren Exponaten ukrainische Kinder beim Experimentieren und Forschen.“
Energie verstehen, während die Lichter ausgehen
Es ist eine besondere Art der Solidarität: Während russische Raketen die Energieinfrastruktur der Ukraine zerstören, lernen Kinder spielerisch, wie Energie entsteht, wie sie umgewandelt wird, wie sie gespeichert werden kann. Die niederländischen Kollegen vom Science Center Nemo in Amsterdam steuerten Exponate zum Thema Bauen bei – auch das passt in ein Land, in dem so viel wieder aufgebaut werden muss.
Wiest spricht davon, dass die Kinder „spielerisch den Ursprung der Energie entdecken und damit den Grundstein für die Gestaltung unserer gemeinsamen Zukunft“ legen. Es sind große Worte für kleine Experimente. Aber vielleicht ist es genau das, was in Kriegszeiten wichtig ist: Kindern zu zeigen, dass es eine Zukunft gibt, für die es sich zu lernen lohnt.
Die elf Stationen in Kiew und vier in Czernowitz sind mehr als ausrangierte Exponate aus Heilbronn. Sie sind ein Statement: Bildung geht weiter, auch im Krieg. Wissenschaft verbindet, auch über Grenzen hinweg. Und manchmal ist eine Dampfmaschine zum Anfassen wichtiger als alle politischen Solidaritätsbekundungen.