Von Redaktion, Foto: TUM Campus Heilbronn
Fikile Brushett ist der erste Empfänger des Stipendiums für mutige Forschung. Beim Global Technology Forum sprach er über Keramikmembranen, Zusammenarbeit – und darüber, was er in Heilbronn gelernt hat.
Manchmal beginnt ein wissenschaftlicher Durchbruch mit einer geöffneten Tür. Für Fikile Brushett, Professor für Chemische Verfahrenstechnik am Massachusetts Institute of Technology (MIT), war das Dieter-Schwarz-Forschungsstipendium genau das: eine Tür.
„Diese Auszeichnung hat es uns ermöglicht, diese Tür zu öffnen“, sagte Brushett beim Global Technology Forum am TUM Campus Heilbronn. Er ist der erste Empfänger des Stipendiums, das mutige Forschung fördern soll. Laut TUM-Mitteilung kam er 2012 zum MIT und wurde 2024 zum ordentlichen Professor ernannt. Seine Forschung konzentriert sich auf elektrochemische Technologien für eine nachhaltige Weltwirtschaft. Mit mehr als 130 Publikationen und einer führenden Rolle im Joint Center for Energy Storage Research des US-Energieministeriums hat er den globalen Dialog über Energiesysteme der nächsten Generation beeinflusst.
Keramikmembranen für die Energiespeicherung
Was Brushett in Heilbronn erforscht, klingt technisch – und ist es auch. „Wir hoffen, eine neue Keramikmembran für den Einsatz in Batterien zu entwickeln“, erklärt er laut TUM-Mitteilung. „Diese ist speziell für Redox-Flow-Batterien gedacht, also Batterien, die für die langfristige Energiespeicherung im Stromnetz konzipiert sind.“
Solche Batterien könnten eine Schlüsselrolle spielen, wenn es darum geht, erneuerbare Energien zu speichern und Schwankungen im Stromnetz auszugleichen. Die Forschung daran ist aufwendig – und genau hier setzt das Stipendium an.
Brushett betont laut TUM-Mitteilung, wie wertvoll die Zusammenarbeit mit der TUM für seine Arbeit ist: „Ich bin sehr dankbar. Es war eine großartige Gelegenheit für mich, mit Kollegen in Deutschland zusammenzuarbeiten und eine Forschungsrichtung in meinem Bereich zu verfolgen, die ich allein nicht hätte einschlagen können.“ Er habe es sehr genossen, mit den Studierenden im Labor von TUM-Professorin Jennifer Rupp zusammenzuarbeiten und sich mit Themen zu beschäftigen, die für ihn allein schwierig zu bearbeiten gewesen wären. „So können wir neue Wege beschreiten.“
Bildung als wichtigster Rohstoff
Professor Ali Sunyaev, Vizepräsident des TUM Campus Heilbronn und Gastgeber der Veranstaltung, ordnete das Stipendium in einen größeren Zusammenhang ein. Er erinnerte laut TUM-Mitteilung an die Beharrlichkeit, die hinter wissenschaftlichen Durchbrüchen steckt: „Thomas Alva Edison sagte einmal: ‚Genialität besteht zu einem Prozent aus Inspiration und zu neunundneunzig Prozent aus Transpiration.‘ Zwar hören wir, wenn wir uns die Geschichte der Wissenschaft ansehen, oft Geschichten über diese magischen ‚Heureka!‘-Momente. Aber davor liegen oft lange Zeiträume, in denen man sich mit schwierigen Problemen auseinandersetzt, oft ohne Garantie auf Erfolg. Der Zufall begünstigt nur den vorbereiteten Geist.“
Für Dieter Schwarz, den Stifter des Stipendiums, gelte eine Maxime, die nicht nur für seine Heimatregion Heilbronn, sondern weit darüber hinaus Gültigkeit habe: Bildung ist unser wichtigster Rohstoff. Sunyaev dankte dem Stifter im Namen des TUM Institute for Advanced Study, des TUM Campus Heilbronn und der gesamten Technischen Universität München: „Für den Stifter war es immer ein vorrangiges Anliegen, ein gutes Lernumfeld zu schaffen. Diese Vision wird hier am TUM Campus Heilbronn verwirklicht.“
Was bleibt von der Zeit in Heilbronn
Im Rückblick auf seinen Aufenthalt betonte Brushett laut TUM-Mitteilung den Wert des Austauschs: „Ich habe unglaublich viel gelernt und die Zeit hier sehr genossen. Ich gehe mit einer viel tieferen Wertschätzung dafür, wie viel Menschen tatsächlich aus verschiedenen Perspektiven über die Zukunft der KI nachdenken.“
Es ist ein Satz, der über das Technische hinausweist. Der Bildungscampus Heilbronn mit seinen Hochschulen, Forschungseinrichtungen und internationalen Kooperationen ist längst mehr als eine Ansammlung von Gebäuden. Er ist ein Ort, an dem Perspektiven aufeinandertreffen – aus Boston und Zürich, aus München und Heilbronn. Das Dieter-Schwarz-Forschungsstipendium ist ein Instrument, um solche Begegnungen zu ermöglichen.