Von Redaktion, Foto: Ideogram / Robert Mucha
Neue Kooperation zur Suizidprävention an Schulen – Fortbildungen sollen Lehrkräfte stärken und Jugendliche schützen
Es sind Zahlen, die man nicht ignorieren kann: 2023 war Suizid die häufigste Todesursache bei jungen Menschen zwischen 10 und 25 Jahren. Ein Drittel aller Jugendlichen kennt Suizidgedanken. Die aim – Akademie für Innovative Bildung und Management – und der Arbeitskreis Leben Heilbronn (AKL) wollen dem etwas entgegensetzen.
Das Projekt heißt „Gestärkt durch die Krise – das Leben meistern“. Der Titel klingt nach Selbsthilfe-Ratgeber, aber dahinter steckt mehr: Beratung für Jugendliche, Eltern und pädagogische Fachkräfte. Workshops mit Schulklassen ab der achten Jahrgangsstufe. Fortbildungen, die Lehrkräften die Angst vor dem schwierigen Thema nehmen sollen.
Den Auftakt macht die Fortbildung „Kompetent in Suizidprävention – keine Angst vor Jugendlichen mit Suizidgedanken“. Laut aim-Mitteilung verbindet sie „theoretisches Wissen zur Entstehung und Bewältigung von suizidalen Krisen mit praxisnahen Methoden für den Schulalltag“. Die Teilnehmenden lernen Grundlagen der Suizidtheorie, üben Gesprächsführungstechniken, arbeiten mit Fallbeispielen und Rollenspielen.
Die Termine stehen fest
Zwei Nachmittage sind geplant: 10. Dezember 2025 und 22. April 2026, jeweils in der aim auf dem Bildungscampus. Die Anmeldung läuft bereits.
„Durch die Kooperation mit dem AKL Heilbronn möchten wir einen Beitrag zur Suizidprävention leisten“, wird Natalie Capalija, Projektverantwortliche bei der aim, zitiert. „Schüler und Schülerinnen sollen lernen, wie sie mit Suizidgedanken umgehen können, und erfahren, dass Krisen bewältigbar sind. Fachkräfte sollen befähigt werden, Jugendliche in schweren Zeiten zu unterstützen und dazu beitragen, Suizidversuche und Suizide zu verhindern.“
Das Tabu brechen
Was die aim hier versucht, ist mehr als ein Fortbildungsprogramm. Es ist der Versuch, ein Tabu zu brechen. Suizid bei Jugendlichen – darüber spricht man nicht gern. Schon gar nicht in der Schule, wo ohnehin schon genug Probleme auf dem Tisch liegen. Aber die Zahlen zwingen zum Handeln.
„Fast alle Jugendlichen kämpfen in ihrem Leben mit Krisen“, heißt es in der aim-Mitteilung. Das ist keine Dramatisierung, sondern Realität. Die Frage ist: Wer fängt sie auf? Wer erkennt die Signale? Wer traut sich, das schwierige Gespräch zu führen?
Die Fortbildung will Lehrkräften genau diese Kompetenz vermitteln. Nicht als Therapeuten – das sind sie nicht und sollen sie nicht sein. Aber als erste Ansprechpartner, die wissen, was zu tun ist. Die nicht wegschauen aus Angst, etwas falsch zu machen.
Prävention funktioniert
Die gute Nachricht steht auch in der Mitteilung: „Durch Suizidprävention können Suizide nachweislich verhindert und Leben geschützt werden.“ Das ist keine leere Phrase. Studien zeigen: Wenn Menschen in Krisen Hilfe bekommen, wenn sie reden können, wenn sie Alternativen sehen – dann finden die meisten einen anderen Weg.
Der Arbeitskreis Leben Heilbronn macht diese Arbeit schon lange. Jetzt bekommt er mit der aim einen Partner mit Reichweite in die Schulen. Das könnte den Unterschied machen zwischen einem Jugendlichen, der allein bleibt mit seinen dunklen Gedanken, und einem, der Hilfe findet.
Heilbronn investiert viel in seine Bildungslandschaft – in Gebäude, in Technologie, in Exzellenz. Die Kooperation zwischen aim und AKL zeigt: Es geht auch um die Jugendlichen, die nicht auf der Sonnenseite stehen. Die kämpfen, zweifeln, verzweifeln. Auch sie gehören zur Wissensstadt. Gerade sie.