Von Redaktion, Foto: DHBW Heilbronn
Die Frauenwirtschaftstage in Heilbronn zeigen: Der Gender Pay Gap ist real – und Frauen erzielen trotzdem bessere Renditen am Kapitalmarkt
„Brauchen wir eigentlich noch einen Frauenwirtschaftstag?“ Prof.in Dr.in Yvonne Zajontz, Gleichstellungsbeauftragte der DHBW Heilbronn, stellte diese Frage gleich zu Beginn der 21. Frauenwirtschaftstage. Die Zahlen, die sie laut Mitteilung der DHBW präsentierte, geben eine klare Antwort: 90,2 Prozent der Männer in Heilbronn arbeiten Vollzeit, bei den Frauen sind es nur 55 Prozent. Fast die Hälfte der Frauen arbeitet Teilzeit – 45 Prozent, um genau zu sein. 2013 waren es noch 42 Prozent.
Der Gender Pay Gap liegt in Baden-Württemberg bei 22 Prozent, vier Prozentpunkte über dem Bundesdurchschnitt. Im Stadtkreis Heilbronn erhalten Frauen laut DHBW-Mitteilung 35 Prozent weniger gesetzliche Rente als Männer – Stand 2023.
Die paradoxe Wahrheit über Frauen und Geld
Unter dem Motto „Stark. Fair. Gemeinsam.“ versammelten sich 120 Besucherinnen zu sechs Workshops. Die Keynote hielt Prof.in Dr.in Marlene Haupt von der Hochschule München. Ihr Thema: Frauen und Finanzen.
30 Prozent der Frauen verlassen sich laut Haupt immer noch auf andere, wenn es um Finanzen geht. Dabei – und hier kommt das Paradox – liegen ihre Renditen am Kapitalmarkt um zwei Prozent höher als die männlicher Investoren, wie eine Studie von Trade Republic zeige. „Raus aus der Komfortzone!“, rät Haupt laut DHBW-Mitteilung.
Sie warnt vor „sogenannten rosa Finanztipps, besonders von Female Finance Influencern“. Dahinter versteckten sich oft Versicherungen, die Produkte verkaufen wollten. Ihr Vier-Schritte-Plan: Überblick verschaffen, Investments entscheiden und automatisieren, sich neutral informieren, Vermögen aufbauen – und „ganz wichtig: miteinander über Geld sprechen.“
Für die Bestandsaufnahme zur Altersvorsorge empfiehlt Haupt das digitale Portal www.rentenuebersicht.de der Deutschen Rentenversicherung. „Hier kann jede ihre gesetzlichen, betrieblichen und privaten Fürsorgeansprüche einsehen“, heißt es in der Mitteilung.
Sechs Workshops, acht Partnerinnen
Die Workshops deckten ein breites Spektrum ab: Marlene Haupt vertiefte ihr Finanzthema. KI-Expertin Anamaria Cristescu vom Fraunhofer Institut zeigte, wie man KI und Prompts im Arbeitsalltag einsetzt. Dr. Verena Thumsch bot Selbstcoaching-Instrumente an. Dr.in Christina Korntreff, Co-Founderin des Modern Parenting Programs, behandelte moderne Elternschaft. Lisa Kosmalla ließ die Teilnehmerinnen Zielcollagen erstellen. Belkisa Geutner zeigte durch Rollenspiele, „wie echte Zusammenarbeit zwischen Frauen und Männern gelingen kann“, so die DHBW.
Ein praktisches Detail unterscheide die Frauenwirtschaftstage von anderen Angeboten, betont die DHBW: Mütter konnten ihre Kinder in einem eigens eingerichteten Kinderzimmer betreuen lassen. Das Catering übernahm der Türkische Frauenverein mit einem „reichem Spezialitäten-Buffet“.
Schnell ausgebucht
„Dass die Frauenwirtschaftstage immer sehr schnell ausgebucht sind, zeigt, dass wir dringend mehr Weiterbildungsangebote für Frauen in der Region brauchen“, wird Landtagsabgeordnete Gudula Achterberg (MdL) in der Mitteilung zitiert.
Die Veranstaltung ist eine Teamleistung von acht Partnerinnen: Kontaktstelle Frau und Beruf Heilbronn-Franken, Hochschule Heilbronn, Regionalbüro für berufliche Fortbildung Heilbronn und Schwäbisch Hall, Frauenbeauftragten der Stadt Heilbronn, Haus der Familie, Bundesagentur für Arbeit, Landratsamt Heilbronn und DHBW Heilbronn.
Die Zahlen sprechen für sich: Der Anteil teilzeitbeschäftigter Männer ist laut DHBW zwischen 2013 und heute nur um 2,3 Prozent gestiegen. Die strukturelle Ungleichheit bleibt. Die Frauenwirtschaftstage können das nicht ändern – aber sie geben 120 Frauen Werkzeuge an die Hand. Und die Erkenntnis, dass sie bei Geldanlagen besser abschneiden als Männer. Wenn sie es denn tun.