Von Redaktion, Fotos: ChatGPT / Robert Mucha
Die Duale Hochschule Baden-Württemberg Heilbronn startet im Oktober 2026 zwei Bachelor-Studienangebote im Sozialwesen. Eine Studienrichtung verbindet Soziale Arbeit mit Sozialmanagement, Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz. Die zweite ist das erste Teilzeitangebot in der Geschichte der DHBW. Beide Angebote entstehen in Kooperation mit der DHBW Heidenheim und werden von der Dieter Schwarz Stiftung gefördert.
Es gibt Berufsfelder, in denen sich der Wandel langsam vollzieht, und solche, in denen er gerade beschleunigt. Die Soziale Arbeit gehört seit einiger Zeit zur zweiten Kategorie. Träger der Jugendhilfe arbeiten mit digitalen Dokumentationssystemen, Wohlfahrtsverbände diskutieren über den Einsatz von Sprachmodellen in Beratungsgesprächen, und Kliniken denken darüber nach, welche organisatorischen Aufgaben sich automatisieren lassen, ohne den menschlichen Kern der Arbeit zu verlieren. An genau dieser Stelle setzt die DHBW Heilbronn an. Im Oktober 2026 startet sie zwei neue Studienangebote im Sozialwesen, gemeinsam mit dem Standort Heidenheim entwickelt.

Sozialmanagement mit Schwerpunkt Digitalisierung und KI
Das erste neue Angebot heißt Soziale Arbeit – Sozialmanagement mit dem Schwerpunkt Digitalisierung und Künstliche Intelligenz. Die Studienrichtung verbindet Inhalte der Sozialen Arbeit mit betriebswirtschaftlichen, organisatorischen und rechtlichen Grundlagen des Sozialmanagements. Ergänzt wird das durch Module zu Digitalisierungsstrategien, Datenkompetenz, ethischen Fragen rund um KI und zum Einsatz digitaler Werkzeuge in Beratung, Verwaltung und Projektsteuerung. Die Begründung für diesen Zuschnitt liefert Prof. Dr. Claudia Mayer, Leiterin der Studienrichtung Sozialmanagement: »Wir nehmen durch den Austausch mit unseren kooperierenden Unternehmen und Einrichtungen einen steigenden Bedarf nach Fach- und Führungskräften wahr, die sowohl Einsatzbereiche von Künstlicher Intelligenz identifizieren als auch datenschutzkonform einsetzen.« Ihr Kollege Prof. Dr. Michael Batz, ebenfalls Studiengangsleiter im Sozialmanagement, beschreibt das Spannungsfeld, in dem das neue Angebot operiert: »Digitalisierung und Künstliche Intelligenz eröffnen der Sozialen Arbeit völlig neue Chancen. Gleichzeitig ist es jedoch entscheidend, ihren Einsatz verantwortungsvoll zu gestalten.«
Soziale Arbeit in Teilzeit, fünf Jahre Regelstudienzeit
Das zweite Angebot ist eine Premiere für die gesamte Hochschule. Soziale Arbeit in Teilzeit ist nach Angaben der DHBW das erste Studienangebot der DHBW überhaupt, das in Teilzeit absolviert werden kann. Die Regelstudienzeit beträgt fünf Jahre, der Workload ist angepasst, die Präsenzphasen sind geblockt, digitale Lehr- und Lernformate werden verstärkt eingesetzt. Zielgruppen sind Berufstätige in sozialen Einrichtungen, Menschen mit familiären Verpflichtungen sowie Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger, die einen akademischen Abschluss in der Sozialen Arbeit erwerben wollen, ohne ihren Lebensentwurf komplett umzustellen. Prof. Dr. Bärbel Amerein, verantwortlich für das Teilzeitangebot, ordnet das so ein: »Durch die angepasste Studienzeit sowie den Einsatz von flexiblen und hybriden Studienformaten, mit denen wir bereits in anderen Studienangeboten positive Erfahrungen gemacht haben, können wir den Studierenden bestmögliche Bedingungen bieten.«
Heidenheim bringt Expertise, Heilbronn das Ökosystem
Der Brückenschlag zwischen den Standorten ist mehr als eine formale Kooperation. Die fachliche Tiefe für beide Studienrichtungen liefern die Heidenheimer Professorinnen und Professoren Amerein, Mayer und Batz. Prof. Dr. Sven van Meegen, Dekan der Fakultät Sozialwesen an der DHBW Heidenheim, beschreibt die Bewegung so: »Dass wir unsere Expertise im Bereich Soziale Arbeit, Digitalisierung und Sozialmanagement nach Heilbronn transferieren, ist ein wichtiger Schritt, um die Region Heilbronn-Franken mit innovativen Studienangeboten zu stärken und gleichzeitig die Attraktivität sozialer Berufe zu erhöhen.« Prof. Dr. Nicole Graf, Rektorin der DHBW Heilbronn, ordnet die Erweiterung des Heilbronner Portfolios in die strategische Linie ihres Standorts ein: »Unsere Studiengänge haben wir immer so entwickelt, dass sie aktuelle Bedarfe abbilden. Das gilt auch für die Studienrichtungen Sozialmanagement mit Schwerpunkt Digitalisierung und KI sowie für Soziale Arbeit in Teilzeit.« Die Dieter Schwarz Stiftung fördert das entstehende Angebot.
Anschluss an den Zukunftstag im März
Die DHBW verweist in ihrer Mitteilung auf eine Veranstaltung im März, den »Zukunftstag Soziale Arbeit & Künstliche Intelligenz«. Dort hatten Heilbronner Verbände der Sozialwirtschaft erklärt, im entstehenden KI-Ökosystem der Region nicht länger nur Beobachter sein zu wollen, sondern aktiv mitzugestalten. Mit dem IPAI Campus, dem TUM Campus, der Hochschule Heilbronn und der DHBW selbst hat die Stadt eine dichte Konzentration an KI-Akteuren. Dass die Soziale Arbeit dort einen eigenen Platz beansprucht, statt sich von der Entwicklung treiben zu lassen, ist eine programmatische Aussage. Die neuen Studienangebote sind die akademische Antwort darauf.
Beide Studiengänge sind dual organisiert. Studierende verbinden Theoriephasen an der Hochschule mit Praxisphasen in Einrichtungen der Sozialen Arbeit und der Sozialwirtschaft. Kooperationspartner sind kommunale Träger, Wohlfahrtsverbände, freie Träger, Kliniken sowie Jugendhilfe- und Bildungseinrichtungen. Die Abschlüsse Bachelor of Arts werden mit der staatlichen Anerkennung als Sozialarbeiterin bzw. Sozialarbeiter verbunden. Online-Infoveranstaltungen finden am 20. Mai und am 17. Juni statt, weitere Informationen und Anmeldung bei der DHBW Heilbronn und der DHBW Heidenheim.