„Der Himmel wird rot“: experimenta-Expertin erklärt die totale Mondfinsternis am 7. September

Von Redaktion, Foto: Ideogram/Robert Mucha & experimenta

Am Sonntagabend verwandelt sich der Vollmond in einen rötlich leuchtenden „Blutmond“. Clara Marx vom Sternwarten-Team der experimenta Heilbronn erklärt das seltene Himmelsschauspiel, gibt Beobachtungstipps und lädt zur Langen Nacht der Astronomie ein.

In der Dämmerung des kommenden Sonntags wird sich am östlichen Himmel ein seltenes Schauspiel ereignen: Der Mond taucht in den Schatten der Erde ein und leuchtet für einige Stunden in einem unheimlichen Rotton. Die totale Mondfinsternis am 7. September verspricht ein besonderes astronomisches Erlebnis, das von Heilbronn aus – mit etwas Glück und der richtigen Vorbereitung – beobachtet werden kann.

„Bei einer totalen Mondfinsternis steht die Erde genau zwischen Sonne und Mond. Der Mond liegt dann im Kernschatten der Erde, also einem Bereich der von der Sonne abgewandten Seite, wo am wenigsten Licht hinkommt“, erklärt Clara Marx vom Sternwarten-Team der experimenta Heilbronn. Das Besondere daran: Der Erdtrabant verschwindet nicht vollständig im Dunkeln, sondern erstrahlt in einem rötlichen Schimmer – dem sogenannten „Blutmond“.

Die physikalische Erklärung für dieses Phänomen ist faszinierend. „Das liegt an zwei Effekten“, erläutert Marx. „Zum einen trifft das Sonnenlicht auf die Erdatmosphäre, wo es von kleinen Partikeln, wie beispielsweise Ruß, gestreut wird. Blaues Licht wird dabei stärker gestreut als rotes.“ Der gleiche Mechanismus sorgt auch für die rotgoldenen Farben bei Sonnenauf- und -untergängen. „Zum anderen wirkt die Erdatmosphäre ähnlich wie eine Linse, an der das Licht gebrochen wird. Dadurch erreicht das Licht, das durch die Erdatmosphäre tritt, den Kernschatten der Erde. Dort trifft es auf den Mond und färbt ihn rötlich.“

Für Mondbeobachter in Deutschland ergeben sich allerdings einige Herausforderungen. „In Deutschland geht der Mond am 7. September gegen 20 Uhr auf. Das ist bereits während der Finsternis und kurz nach Sonnenuntergang. Es ist dann noch recht hell, also nicht die beste Zeit zum Gucken“, sagt Marx. Wer das Himmelsereignis dennoch verfolgen möchte, sollte etwas Geduld mitbringen: „Ab etwa 21 Uhr wird es dunkler, allerdings ist die Finsternis dann auch schon rückläufig. Am besten sucht man sich einen dunklen Ort mit freier Sicht nach Osten.“ Für das vollständige Erlebnis müsste man sich allerdings auf die Reise nach Asien oder Westaustralien begeben, wo die komplette Finsternis zu sehen sein wird.

Die präzisen Vorhersagen für solche Himmelsereignisse verdanken wir der modernen Astronomie. „Die physikalischen Gesetze, die wir von unserer Erde kennen, gelten im gesamten Universum. Dadurch können wir sehr genaue Vorhersagen für die Flugbahnen von Himmelskörpern wie unserem Mond machen und auch schon lange im Voraus berechnen, wann sie wo stehen werden“, erklärt Marx.

Die Faszination für die Weiten des Universums begleitet die Wissenschaftskommunikatorin, die seit November 2024 im Sternwarten-Team der experimenta arbeitet, seit ihrer Kindheit. „Ich bin in der Großstadt aufgewachsen. Als ich als Kind bei einem Pfandfinderlager unter freiem Himmel geschlafen haben, weit weg von künstlicher Beleuchtung, war der Sternenhimmel einfach überwältigend“, erinnert sie sich. „Dieses Erlebnis ist mir bis heute im Kopf geblieben.“

Was Marx an der Astronomie besonders fasziniert, ist die Verbindung zwischen menschlichem Erkenntnisstreben und kosmischer Weite. „Mich fasziniert, dass wir Dinge verstehen können, die unvorstellbar weit entfernt sind. Andere Galaxien sind teilweise Milliarden Lichtjahre entfernt und trotzdem können wir ihre Zusammensetzung erforschen oder ihre Bewegung nachvollziehen. Das zeigt, wie viel wir mit wissenschaftlichem Denken erreichen können.“ Gleichzeitig bleiben große Fragen offen, wie die nach außerirdischem Leben, die ihre Neugier antreiben.

Wer seine eigene astronomische Entdeckungsreise beginnen oder vertiefen möchte, hat dazu am 13. September eine besondere Gelegenheit: Die bundesweite Lange Nacht der Astronomie, an der sich auch die experimenta Heilbronn mit einem umfangreichen Programm beteiligt. „Tagsüber zeigen wir astronomische Filme im Science Dome, es gibt Sonnenbeobachtung, Bastelaktionen und ein Kindertheaterstück über die Maus ‚Armstrong‘, die zum Mond fliegt“, beschreibt Marx die Angebote. Ab 18 Uhr wird der Eintritt kostenlos, Science Dome, Sternwarte und Experimentaltheater öffnen ihre Türen, und Besucherinnen und Besucher können spannende Vorträge erleben, eine Astro-Show bestaunen und durch die Teleskope der experimenta den Nachthimmel erkunden.

Die Vielfalt des Programms spiegelt dabei auch die Zusammensetzung des Teams wider. „Das Programm ist sehr abwechslungsreich und spiegelt damit auch wider, wie vielfältig das Team hinter dem Aktionstag ist“, betont Marx. „Generell arbeiten Menschen mit dem unterschiedlichsten Hintergrund Hand in Hand bei der experimenta – das gilt natürlich auch für das Sternwarten-Team.“

Ob Mondfinsternis oder Sternschnuppennacht – der Blick in den Nachthimmel verbindet wissenschaftliche Erkenntnis mit einem tief menschlichen Staunen. Während am kommenden Sonntag der Mond im rötlichen Licht erglüht, erinnert er uns an unseren Platz im Kosmos und die Gesetzmäßigkeiten, die unser Universum durchdringen.

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