Deep Golf: Wie ein Heilbronner mit KI und Smartwatch den Golfschwung verbessern will

Von Redaktion, Foto: TUM Venture Labs Heilbronn

TUM-Absolvent Jonas Dunkel hat eine App entwickelt, die Golfspieler ohne Trainer und ohne Kamera-Setup trainieren lässt. Die Daten kommen von der Smartwatch, die Analyse übernimmt eine KI. Entstanden ist die Idee in einer Masterarbeit. Jetzt soll ein Unternehmen daraus werden.

Jonas Dunkel hatte kein Handicap. Keine Golferfahrung, keinen Schläger, keinen Plan, jemals auf einem Grün zu stehen. Was er hatte: einen Algorithmus. Und eine Idee, die mit einer völlig anderen Disziplin begann. Heute, ein paar Jahre später, steht der gebürtige Heilbronner und TUM-Absolvent kurz davor, aus einem Studentenprojekt ein Unternehmen zu machen. Die App heißt Deep Golf, und sie soll Golfspielern helfen, ihren Abschlag zu verbessern. Ganz ohne Trainer, ganz ohne kompliziertes Equipment.

Von Qigong zum Golfschwung

Der Weg zur App begann laut TUM Campus Heilbronn mit einer Meditationsform. In einem interdisziplinären Projekt an der TU München habe Dunkel eine Bewegungsanalyse und Klassifizierung von Qigong durchgeführt. Dabei sei ein Algorithmus entstanden, der sich als übertragbar erwies. Gemeinsam mit dem Betreuer seiner Masterarbeit habe sich der Golfsport als nächster Anwendungsfall herauskristallisiert.

Ursprünglich sei es ihm nicht um eine Gründung gegangen, so Dunkel gegenüber dem TUM Campus Heilbronn. Es sei ihm hauptsächlich um die Theorie und die technische Umsetzung gegangen. Erst positive Rückmeldungen von Golfspielern hätten den Gedanken geweckt, mehr daraus zu entwickeln. Daraufhin habe er begonnen, selbst zu golfen und sich in Trainingstheorien und den biomechanischen Ablauf des Sports einzuarbeiten.

Die Smartwatch als Trainingspartner

Das Besondere an Deep Golf: Die App braucht kein aufwändiges Setup. Die Daten stammen laut Dunkel von der Smartwatch. Jedes Smartphone besitze inzwischen integrierte Sensoren, die Bewegungen wahrnehmen und aufzeichnen könnten. Deshalb funktioniere das Training auch abseits des Golfplatzes, in den eigenen vier Wänden. Am Anfang habe es Probleme mit den Sensoren gegeben, räumte Dunkel ein. Diese habe man aber lösen können, indem ein KI-Algorithmus eingesetzt wurde, der die Daten bereinigt und in ihnen Informationen findet, die zeigen, wie man seine Bewegungen verbessern kann.

Die KI-Grundlagen habe Dunkel bereits im Studium an der TUM erworben. Im Studiengang Human Factors Engineering habe er Kurse belegt, in denen er lernte, was KI-Modelle sind und wie sie mathematisch funktionieren. Zuvor hatte er Interaktionsgestaltung in Schwäbisch Gmünd studiert und war für den Master nach München gegangen, um tiefer in die Theorie einzutauchen.

Zurück in Heilbronn: Das Ökosystem als Startrampe

Nach seiner Rückkehr in die Heimat habe Dunkel Heilbronn laut eigener Aussage neu entdeckt. Erst nach zwei Gesprächen mit den TUM Venture Labs habe er gemerkt, welches Potenzial das Heilbronner Ökosystem biete und dass es Programme gebe, die einen unterstützten. Mit den Startup-Inkubatoren habe er an Soft Skills gearbeitet. Unterstützung in der Entwicklung bekam er von Amr Alanwar, Professor für Cyber-Physikalische Systeme am TUM Campus Heilbronn, dessen Sensorsystem er für den Aufbau eines Datensatzes nutzen durfte.

Diese Zusammenarbeit zahlte sich auch finanziell aus: Über das Förderprogramm Exist, das Studierende und Hochschulabsolventen bei Unternehmensgründungen unterstützt, erhält Dunkel laut TUM-Mitteilung 2.500 Euro monatlich sowie 30.000 Euro für Sachausgaben. Alanwar fungiert dabei als Mentor. Zusammen mit Co-Founder Marc Mehrer, der die Business-Seite und das Marketing übernimmt, arbeitet Dunkel nun daran, Deep Golf marktfähig zu machen.

2026: Die Frage nach der Platzreife

2026 wird laut Dunkel ein entscheidendes Jahr für Deep Golf. Zunächst wolle man feststellen, ob sich das Produkt verkaufen lasse und ob die Nutzer bereit seien, dafür zu bezahlen. Darüber hinaus stelle sich die Frage der Finanzierung: ob es Investoren brauche oder ob sich das Startup aus eigenen Mitteln tragen könne.

Für Dunkel war Heilbronn dabei nicht der naheliegende Standort, sondern eine Entdeckung. Einer, der als Jugendlicher wegging, um zu studieren, und zurückkam, um zu gründen. Dass das möglich ist, liegt an einem Bildungscampus, der neben Hochschulen und Forschungsinstituten auch die Infrastruktur für Gründungen bereithält. Von den TUM Venture Labs über Campus Founders bis zum Exist-Programm: Das Netzwerk, das Dunkel nutzt, ist genau das, wofür Heilbronn in den vergangenen Jahren investiert hat.

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