connAIx in Heilbronn: Warum drei Universitäten und 30 Millionen Euro auf ein Graduiertenzentrum setzen

Von Redaktion, Foto: Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst

Baden-Württemberg gründet mit connAIx eine bundesweit einzigartige Einrichtung für KI-Spitzenforschung. Getragen wird sie von den Universitäten Karlsruhe, Stuttgart und Tübingen. Standort: der Bildungscampus in Heilbronn. Ein Projekt, das zeigt, wie ernst es dem Land mit der Künstlichen Intelligenz ist.

Zehn Professuren, 60 internationale Promovierende, 20 Postdoktorandinnen und Postdoktoranden, 30 Millionen Euro jährlich vom Land. Das sind die Zahlen, die hinter einer Gründungsvereinbarung stehen, die Ministerpräsident Winfried Kretschmann und Wissenschaftsministerin Petra Olschowski Ende Januar in Stuttgart unterzeichnet haben. Der Name des Projekts: connAIx. Vollständig: Research School for Applied AI. Standort: Heilbronn.

connAIx ist ein Graduierten- und Forschungszentrum, getragen von drei KI-Spitzenuniversitäten des Landes: dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT), der Universität Stuttgart und der Universität Tübingen. Die Idee dahinter: Expertise in der Spitzenforschung disziplinübergreifend bündeln und die internationalen Netzwerke der drei Hochschulen direkt nutzen. Im Vollausbau ab 2029 soll das Zentrum jene Fachkräfte hervorbringen, die Baden-Württemberg in den Zukunftstechnologien Künstliche Intelligenz, Robotik, Chip Design und Cybersicherheit braucht.

Was das Land sich davon verspricht

Ministerpräsident Kretschmann nannte die Gründung von connAIx laut Pressemitteilung der Dieter Schwarz Stiftung „eine sehr gute Nachricht für das Land Baden-Württemberg“. Das Zentrum verbinde Spitzenforschung mit praktischer Anwendung und bringe „exzellente KI-Forschung mit den Ingenieurwissenschaften zusammen“. Es stärke Baden-Württemberg, so Kretschmann weiter, „als Land der Tüftler und Denker und als einen der führenden KI-Standorte in Europa“.

Wissenschaftsministerin Olschowski betonte laut derselben Mitteilung, in der KI brauche man „schnelle Ergebnisse, um im harten internationalen Wettbewerb bestehen und auf die Bedürfnisse der Wirtschaft agil reagieren zu können“. Es sei ein starkes Signal, dass die drei Landesuniversitäten eng mit Unternehmen und Start-ups zusammenarbeiteten, um „mit maßgeschneiderten Karrierewegen KI-Spitzentalente auf höchstem Niveau zu qualifizieren“.

Mehr als Flächen: Das Ökosystem als Argument

Die Dieter Schwarz Stiftung unterstützt das Vorhaben mit der kostenfreien Bereitstellung von Flächen und Infrastruktur in Heilbronn. Doch Stiftungsgeschäftsführer Professor Gunther Friedl machte laut Pressemitteilung deutlich, dass es um mehr geht als Räumlichkeiten. Mit connAIx entstehe „in Heilbronn ein einzigartiger Ort, an dem akademische Exzellenz auf reale industrielle Herausforderungen trifft“. Die Stiftung garantiere den Talenten „direkten Zugang zu den entscheidenden Playern unseres Ökosystems“, vom IPAI über die Campus Founders bis hin zu Weltmarktführern. So entstehe „ein Reallabor, in dem KI-Lösungen sofort unter realen Bedingungen validiert und in die Anwendung gebracht werden können“.

Für den Heilbronner Bildungscampus ist connAIx ein weiterer Baustein in einem Ökosystem, das in den vergangenen Jahren mit der TU München, der ETH Zürich, Fraunhofer-Instituten und dem IPAI erheblich gewachsen ist. Dass nun auch die drei KI-Spitzenuniversitäten des Landes hier gemeinsam eine neue Einrichtung aufbauen, unterstreicht die Rolle Heilbronns als Standort für angewandte Künstliche Intelligenz.

Humanoide Roboter und die nächste KI-Generation

Inhaltlich sollen sich die Forschenden laut Pressemitteilung vornehmlich um die Steuerung und Entwicklung der nächsten Generation von Künstlicher Intelligenz kümmern, etwa um humanoide Roboter oder intelligente Maschinen. Professor Oliver Kraft, Vizepräsident Forschung, Lehre und Akademische Angelegenheiten des KIT, unterstrich die Ambitionen: Die drei Universitäten verknüpften „ihre vorhandene Expertise in zahlreichen Forschungsfeldern gezielt mit angewandter KI“. Entscheidend sei es, „den wissenschaftlichen Nachwuchs zu fördern und Forschungsergebnisse schneller in die Wirtschaft zu übertragen“. So werde connAIx „einen wesentlichen Beitrag zur Stärkung des Wirtschaftsstandorts und zur technologischen Souveränität Europas leisten“.

Ob connAIx die Künstliche Intelligenz in Baden-Württemberg tatsächlich so beschleunigen wird, wie es die Gründungsvereinbarung verspricht, wird sich zeigen. Die Voraussetzungen jedenfalls sind gesetzt: drei Universitäten, ein Standort, eine klare Aufgabe. Und ein Ökosystem in Heilbronn, das in den vergangenen Jahren genügend Erfahrung darin gesammelt hat, große Versprechen in konkrete Strukturen zu übersetzen.

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