DHBW CAS: Ein Pflegeberuf, der Versorgungslücken schließt

Von Redaktion, Fotos: DHBW CAS

Community Health Nurses versorgen Menschen dort, wo sie leben: zu Hause und im Stadtteil, oft weit weg von Klinik und Praxis. Am DHBW CAS in Heilbronn bildet der Masterstudiengang »Advanced Practice in Healthcare« für dieses noch junge Berufsbild aus. Hanna Müller arbeitet als Community Health Nurse in Stuttgart und wird künftig auch am DHBW CAS lehren. Im Interview der Hochschule erklärt sie, warum die Rolle gebraucht wird.

Manche Menschen nehmen jeden Tag zehn Tabletten und wissen nicht, wofür. Solche Fälle schildert Hanna Müller im Interview des DHBW CAS als typisch für ihren Alltag. Sie ist Community Health Nurse, und ihre Arbeit beginnt oft genau dort, wo die reguläre Versorgung an Grenzen stößt. Dann setze sie sich mit den Betroffenen hin und gehe die Medikamente gemeinsam durch, sagt Müller.

Müller arbeitet im PORT Gesundheitszentrum auf dem Bosch Health Campus in Stuttgart. Künftig gibt sie ihr Wissen zudem als Dozentin weiter, und zwar in der entsprechenden Studienrichtung des Masters »Advanced Practice in Healthcare« am DHBW CAS in Heilbronn. So trifft Praxis auf Lehre.

Was eine Community Health Nurse leistet

Das Berufsbild lässt sich nicht auf Krankenpflege verengen. »Ich sehe uns als Bindeglied zwischen medizinischer und pflegerischer Versorgung sowie sozialer Unterstützung«, sagt Müller im Interview des DHBW CAS. Community Health Nurses kümmerten sich um Menschen aller Altersgruppen, betont sie, und eben nicht nur um Kranke. Vielmehr gehe es auch darum, Gesundheit lange zu erhalten.

Dafür gehen die Fachkräfte zu den Menschen nach Hause. Dort schauen sie, was jemand braucht, um mit einer Krankheit besser umzugehen oder gesund zu bleiben. Ein großer Teil der Arbeit sei Beratung, so Müller. Hinzu komme viel Netzwerkarbeit im Stadtteil, denn oft wüssten die Menschen gar nicht, welche Angebote es gebe und was ihnen zustehe. Genau diese Fäden liefen bei den Community Health Nurses zusammen.

Auch Prävention gehört zum Alltag. Mal führen die Fachkräfte selbst Kurse durch, mal organisieren sie diese mit Partnern wie einem Physiotherapeuten oder der Alzheimer-Gesellschaft. Nach Müllers Worten entsteht so ein Angebot, das genau zum jeweiligen Stadtteil passt.

Freiheit, die die Pflege sonst nicht kennt

Ein Unterschied zur Klinik fällt Müller besonders auf: die Zeit. Weil die Stellen nicht in die starren Strukturen des staatlichen Gesundheitswesens eingebunden seien, könnten die Fachkräfte selbst entscheiden, wie lange und wie oft sie jemanden sähen. Statt zehn Minuten bleibe auch mal eine Stunde. Viele Menschen seien es gar nicht gewohnt, dass sich jemand mit ihnen hinsetze und einen gemeinsamen Plan entwerfe.

Die Stellen finanzieren sich meist über Stiftungen, Vereine, Innovationsfonds oder Ausschreibungen von Sozialämtern. Müllers eigene Stelle trägt eine Drittmittelfinanzierung des Robert Bosch Centrums für Innovationen im Gesundheitswesen. Mancherorts zahle auch die Kommune einen Teil des Gehalts, erklärt sie, schließlich sei für einen Stadtteil entscheidend, wie gesund die Menschen dort seien.

Warum die Pflege akademischer wird

Community Health Nurses sind auf Masterniveau qualifizierte Pflegekräfte, die bereits Berufserfahrung mitbringen. Das Feld entwickle sich gerade erst, sagt Müller, feste Standards wie in der Klinik fehlten noch. Deshalb brauche es Menschen, die bereit seien, sich Wissen selbst zu erschließen. Genau darauf bereite das Studium vor.

Die Akademisierung der Pflege hält Müller für notwendig, weil Erkrankungen und Therapien immer komplexer würden. Entscheidend sei, dass die Qualifikation direkt bei den Patienten ankomme und nicht nur in der Forschung. Am DHBW CAS verbindet der Master dafür vertiefte Pflegepraxis mit Gesundheitsförderung und Prävention. Der Studiengang denkt dabei größer als bis zum einzelnen Fall, denn es gehe auch um die Frage, was ein Ort brauche, damit die Menschen dort gesund blieben.

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