Von Redaktion, Fotos: TUM Campus Heilbronn
Autor Cihan Acar las im Quartierszentrum der Nordstadt aus seinem Debütroman »Hawaii«. Studierende des TUM Campus Heilbronn, der 42 Heilbronn und der Hochschule Heilbronn erarbeiten daraus gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern ein Theaterstück. Premiere ist am 27. Juni.
Hawaii. Wer dabei an Palmen und Pazifik denkt, war noch nie in Heilbronn. Hawaii, so heißt ein Viertel im Norden der Stadt, ein Ort mit zweifelhaftem Ruf und einer Geschichte, die in den 80er und 90er Jahren von Kriminalität und Drogenhandel geprägt war. Den Ursprung dieses Euphemismus kennt niemand so genau, auch der Autor Cihan Acar nicht. Aber er hat einen Roman darüber geschrieben, der es bis in die Shortlists der wichtigsten deutschen Literaturpreise geschafft hat.

Heilbronn statt Istanbul oder Berlin
An einem Donnerstagabend las Acar im Quartierszentrum der Heilbronner Nordstadt vor einem bunt zusammengewürfelten Publikum aus Literaturfans und Mitgliedern der English Theatre Society Heilbronn aus eben diesem Buch. Die Theaterleiterin Leni Karrer führte durch den Abend und fragte Acar nach seiner Motivation. »Ich wollte über einen mir bekannten Ort schreiben. Und das waren weder Istanbul noch Berlin, sondern Heilbronn, in dessen Nähe ich aufgewachsen bin«, sagte der Autor laut einem Bericht des TUM Campus Heilbronn. Es sei ihm wichtig gewesen, das Viertel menschlich und ohne Sensationslust darzustellen.
In den Romanszenen, die Acar im Laufe des Abends präsentierte, lernten die Zuhörenden den türkischstämmigen Protagonisten Kemal kennen. »Weltenwanderer« nannte ihn der Autor. Ein junger Ex-Fußballprofi, orientierungslos und auf der Suche nach Identität: auf einer türkischen Hochzeit, auf der Straße mit Kumpels, in der Küche, wo seine Mutter auf dem kleinen Fernseher Seifenopern aus der Heimat sieht.
Man sollte sich nicht entscheiden müssen
Die Frage nach der Zugehörigkeit zieht sich als roter Faden durch das Buch und durch den Abend. In der anschließenden Fragerunde wollte das Theaterensemble wissen, ob sich Acar eher türkisch oder deutsch fühle. Seine Antwort: »Man sollte sich nicht entscheiden müssen. Und so viel wie möglich von beiden Seiten mitnehmen.«
Dass Heilbronn sich positiv entwickle, bestätigte der Autor ebenfalls: »Immer, wenn ich durch die Stadt fahre, wird etwas Neues gebaut.« Heilbronn, die Stadt der 150 Nationen, gehe voran. Deshalb, so Acar, sei es umso wichtiger, dass Viertel wie das Hawaii erhalten blieben. Denn nur durch identitätsstiftende Orte könne auch Austausch passieren.
Studierende und Bürger auf der Bühne
Die Lesung war kein bloßer Literaturabend. Acars Roman ist die Grundlage für ein Theaterstück, das Studierende des TUM Campus Heilbronn, der 42 Heilbronn und der Hochschule Heilbronn gemeinsam mit Heilbronner Bürgerinnen und Bürgern erarbeiten. Die Premiere von »Hawaii, Von hier aus« findet am 27. Juni im Quartierszentrum Augärtle statt. Ein Projekt, das zeigt, was passiert, wenn sich Hochschulen und Stadtgesellschaft auf Augenhöhe begegnen.