Von Redaktion, Fotos: TUM Campus Heilbronn
Bei der Bürger-Uni auf dem Bildungscampus nahm sich Prof. Dr. Maximilian Lude eine Frage vor, die viele umtreibt: Ist das Zukunft oder kann das weg? Sein Befund nach einem Abend zwischen KI-Agenten, humanoiden Robotern und einer Frau, die einen Chatbot geheiratet hat: Es gibt gute Gründe für Optimismus.
Zwölf Pessimisten kommen in Deutschland auf einen Optimisten. In anderen Ländern liegt das Verhältnis bei 2:1. Der deutsche Hang zum Schwarzsehen ist wissenschaftlich belegt, und Maximilian Lude kennt die Zahlen. Trotzdem, oder vielleicht genau deshalb, plädierte der Professor und Berater für Familienunternehmen bei der Bürger-Uni auf dem Bildungscampus dafür, die Dinge etwas anders zu betrachten. Sein Vortrag in der Aula trug den Titel »Ist das Zukunft oder kann das weg?« und war eine Einladung, Künstliche Intelligenz weder zu fürchten noch zu verklären.
Vom Spielzeug-Prototyp bis zur KI-Hochzeit
Die gemeinsame Veranstaltung der Heilbronner Stimme, der Dieter Schwarz Stiftung und des TUM Campus Heilbronn lockte Ende März zahlreiche Gäste in die Aula. Gastgeberin Luise Pufahl, Professorin für Information Systems am TUM Campus Heilbronn, hatte die Richtung vorgegeben: »Wenn sie mit ihrer Bank in Kontakt treten wollen und sich nur noch mit Chatbots schreiben, wenn sie eine App zum Klavierlernen ausprobieren oder darüber lesen, was eine neue KI alles Tolles kann, dann fragen Sie sich vielleicht: Ist das eigentlich Zukunft oder kann das weg?«

Lude, der als Dozent an der TUM und als CEO der Beratungsfirma philoneos tätig ist, zeigte zunächst, was KI bereits kann. Die Palette reichte von KI-generierten Videos über autonom arbeitende KI-Agenten bis hin zu »Rentahuman.ai«, wo echte Menschen der KI ihren Körper zur Verfügung stellen, um etwa Pakete abzuholen. Beim Spielzeughersteller Mattel werden Prototypen laut Lude inzwischen innerhalb eines Tages anhand einer Skizze entwickelt, ein Vorgang, der früher Wochen dauerte.
Ein Ziegelstein, zwei Möglichkeiten
Gleichzeitig machte Lude die Risiken deutlich. »Ich kann einen Ziegelstein verwenden, um ein Fenster einzuschmeißen oder ein Haus zu bauen«, sagte er laut einem Bericht des TUM Campus Heilbronn. Auch das Verkümmern eigener Fähigkeiten sei riskant, wenn sich Menschen zu sehr auf KI verließen. Am Ende aber war er sich sicher: »KI macht uns menschlicher.« Köche etwa müssten sich nicht mehr mit Routineaufgaben wie der Erstellung von Schichtplänen beschäftigen, sondern könnten sich voll dem Kochen widmen.
Für Unternehmen empfahl Lude eine neue Schlüsselkompetenz: »Wir müssen lernen, die richtigen Fragen zu stellen.« Augenzwinkernd regte er auch eine neue Position an, den Chief Question Officer. Zugleich sagte er ein neues Qualitätssiegel voraus: »No AI«, denn »Menschen haben eine Sehnsucht nach Menschen«. Die zurückliegende Entlassungswelle führte Lude nicht auf KI zurück, sondern auf Missmanagement in den Vorjahren. Im Gegenteil: Unternehmen, die KI einsetzen, schaffen laut ihm statistisch mehr neue Jobs.
Einsamkeit wird ein Markt
Einen nachdenklichen Moment hatte der Abend beim Thema Einsamkeit. 24 Prozent der Erwachsenen fühlen sich laut einer von Lude zitierten Studie einsam. Chatbots ersetzen Therapeuten und Lebenspartner. In Japan hat eine Frau einen KI namens Klaus geheiratet. »Einsamkeit wird ein Markt«, so Lude. Selbst für Lampen könnten Menschen Gefühle entwickeln, wenn diese sich ähnlich wie ein Lebewesen verhielten statt rein funktional.
Tradition als Grundlage, nicht als Garantie
Für den dauerhaften Erfolg von Familienunternehmen empfahl der Forscher drei Dinge: Kunden verstehen, Tradition als Grundlage nutzen und lebenslanges Lernen ernst nehmen. »Tradition ist keine Sicherheit für Zukunftsfähigkeit, aber eine supercoole Grundlage«, sagte er. Und: »Wir brauchen die Fähigkeit, neue Dinge zu lernen, und müssen aufhören, reaktiv zu handeln, sondern kreativ sein.«
In der abschließenden Fragerunde, moderiert von Tobias Wieland, betonte Lude noch einmal: »KI ist kein IT-Thema, sondern ein großflächiges kulturelles Thema. Dafür benötigen wir das richtige Mindset.« Die nächste Bürger-Uni findet am 22. Juli statt. Dann kommt Prof. Alexander Fekete mit dem Thema »Zukunft sichern: Vorsorge für kritische Infrastruktur und Bevölkerungsschutz« auf den Bildungscampus.