Von Redaktion, Foto: ROBERTNEUN Architekten mit sinai Landschaftsarchitekten, Berlin
22 Architekturbüros haben ihre Entwürfe eingereicht, eine 21-köpfige Jury hat einstimmig entschieden: Die Erweiterung des Bildungscampus Heilbronn geht an zwei Berliner Planungsteams. Was das für die Stadt bedeutet – und warum das Soleo, das Eisstadion und die Rollsporthalle weichen müssen.
Es gibt Momente, in denen sich die Zukunft einer Stadt in einer Visualisierung verdichtet. In Heilbronn ist dieser Moment jetzt gekommen: Vier Gebäude entlang der Mannheimer Straße, ein großzügiger Uferpark zum Neckar hin, das Parkhaus am Bollwerksturm verschwunden. So sieht sie aus, die Erweiterung des Bildungscampus, wie sie das Berliner Architekturbüro ROBERTNEUN gemeinsam mit den Landschaftsarchitekten von Sinai entworfen hat.
Die Jury, 21 Köpfe stark, entschied einstimmig. Von 22 eingereichten Arbeiten aus ganz Deutschland überzeugte dieser Entwurf am meisten. Dass ausgerechnet Sinai den Zuschlag bekam, hat eine gewisse Logik: Das Büro hat als ausführender Landschaftsarchitekt bereits das Gelände der Bundesgartenschau 2019 gestaltet. Die Handschrift, sie bleibt erkennbar.
»Wir sind beeindruckt von der Qualität der eingereichten Arbeiten«, sagte Oberbürgermeister Harry Mergel laut Pressemitteilung der Stadt. Besonders überzeugt habe, »dass er das Ufer des Neckarbogens spiegelt und den Grünraum entlang des Neckars auf der gegenüberliegenden Seite markant hervorhebt. Das ist gewissermaßen die Fortsetzung des BUGA-Geländes in Richtung Innenstadt.«

Was der Entwurf vorsieht: Vier Einzelgebäude für Hochschuleinrichtungen und Wohnen, parallel zur Bahntrasse ausgerichtet. Das bestehende Parkhaus am Bollwerksturm wird abgerissen, eine Tiefgarage soll es ersetzen. Der Verzicht auf eine zweite Bauzeile ermöglicht jenen Uferpark, der als Verlängerung des Campusparks der gesamten Stadtgesellschaft offenstehen soll.
Doch die Sache hat einen Haken. Oder genauer: drei. Denn auf dem überplanten Gelände stehen noch das städtische Freizeitbad Soleo, das Eisstadion sowie die Rollsporthalle des REV Heilbronn. Alle drei Einrichtungen sind stark sanierungsbedürftig. Geplant ist, sie an anderer Stelle nach zeitgemäßem Standard neu zu bauen. Erst wenn die neuen Standorte stehen, können die alten Gebäude abgerissen werden.
Das klingt erst einmal aufgeräumt. Doch wo die Ersatzbauten entstehen sollen, steht noch nicht fest. Im Gespräch sind laut Heilbronner Stimme unter anderem die Neckarhalde oder das Gesundbrunnengelände. Baubürgermeister Andreas Ringle stellte gegenüber der Heilbronner Stimme klar, dass die im Campuspark vorgesehene Schwimmhalle »ausdrücklich nicht Ersatz für das Soleo« sei.
Der Siegerentwurf sieht im Campuspark ein zylinderförmiges Sportgebäude sowie eine Schwimmhalle vor. Dazu ein durchgängiges Wegenetz, das die Planer Campus-Loop nennen und das den erweiterten Campus mit der Fußgängerbrücke über den Neckar verbindet. Für den vorhandenen Baumbestand ist ein rücksichtsvoller Umgang vorgesehen.
Nun wird die Stadt die Entwürfe im Detail analysieren und mit den Beteiligten ins Gespräch gehen. Voraussichtlich Ende des ersten Halbjahres 2026 sollen weitere Schritte bekanntgegeben werden. Der jetzt abgeschlossene Wettbewerb war ein städtebaulicher – für die architektonische Gestaltung der einzelnen Gebäude werden weitere Wettbewerbe folgen.
Wer sich selbst ein Bild machen möchte: Alle fünf ausgezeichneten Arbeiten werden vom 7. bis einschließlich 12. Januar in einer Ausstellung im Technischen Rathaus gezeigt. Die Dieter-Schwarz-Stiftung will die Grundstücke für die Erweiterung erwerben – und damit eines der Schlüsselprojekte der Heilbronner Stadtentwicklung ermöglichen.