DHBW Heilbronn: Bechtle-Chef erklärt Studierenden, warum vermessene Visionen funktionieren

Von Redaktion, Fotos: DHBW Heilbronn

Zwischen einem Schmuckladen und einer Pizzeria fing alles an. Bechtle CEO Dr. Thomas Olemotz nahm beim Students Executive Talk an der DHBW Heilbronn mehr als 100 Studierende mit durch die Geschichte eines Unternehmens, das sich alle zehn Jahre Ziele setzte, die eigentlich unerreichbar schienen.

1983, als IT noch EDV hieß und PCs ganze Räume füllten, bezogen Ralf Klenk und Gerhard Schick ihr erstes Büro. Es lag zwischen einem Schmuckladen und einer Pizzeria. Was danach passierte, erzählte Dr. Thomas Olemotz, Vorstandsvorsitzender der Bechtle AG, an einem Donnerstagabend auf dem Bildungscampus in Heilbronn. In der voll besetzten Aula der DHBW Heilbronn sprach er über ein Thema, das auf den ersten Blick trocken klingt, es aber nicht ist: Wie entwickelt man eine Unternehmensvision, und wozu braucht man sie überhaupt?

Alle zehn Jahre neu denken

Olemotz, der seit 2007 bei Bechtle ist und das Unternehmen seit 2010 als Vorstandsvorsitzender führt, skizzierte eine Firmengeschichte, in der Visionen von Anfang an eine bestimmende Rolle spielten. Seit 1988, so berichtete er laut einem Beitrag der DHBW Heilbronn, wurden alle zehn Jahre Kurs und Ziele überprüft. Dabei entstanden immer wieder ehrgeizige, bisweilen gar vermessene Visionen.

Bereits Ende der 80er Jahre nahm sich das Unternehmen für das Jahr 2000 einen Umsatz von 100 Millionen D-Mark vor und wollte den Börsengang wagen. Für einen kleinen EDV-Händler mit noch nicht gefestigten Strukturen klang das mehr als ehrgeizig. Beide Ziele wurden bis zum Jahr 2000 weit übertroffen. 2008, mitten in der Weltwirtschaftskrise, setzte Bechtle das nächste Ziel: fünf Milliarden Euro Umsatz, zehntausend Mitarbeitende und die Marktführerschaft in Europa. Auch diese Vision wurde Wirklichkeit.

Wenn die alte Vision nicht mehr reicht

2018 formulierte Bechtle eine Vision für 2030: IT-Zukunftspartner in Europa, zehn Milliarden Euro Umsatz. Doch in einer sich rasant verändernden IT-Branche boten diese Ziele keine ausreichende Antwort mehr auf drängende Fragen, wie Olemotz erklärte. Wie stellt man sich international auf? Welchen Zweck verfolgt das Unternehmen? Wie hält man es mit der Nachhaltigkeit? Also wurde die Vision überarbeitet. Das Ergebnis, zusammengefasst in einem Statement: »In a world of accelerated change, we activate the potential of IT. Always prepared for success.«

Formuliert wurde diese Vision unter wiederholter Beteiligung nationaler und internationaler Mitarbeitervertreter und Stakeholder. Der Anspruch: Im aktuellen Krisenmodus Fortschritt ermöglichen, nachhaltig handeln und sich zu Leistung und Miteinander bekennen.

Kommunikation, Kommunikation, Kommunikation

Damit eine Vision zum »Nordstern« des Unternehmens wird, empfahl Olemotz auf Nachfrage der Studierenden drei Maßnahmen: Kommunikation, Kommunikation und nochmals Kommunikation. Dass diese Strategie bereits Früchte trage, belegten laut der DHBW viele Mitarbeiterporträts, bei denen das Profilbild vor dem Hintergrund des Schriftzuges »always prepared« aufgenommen werde.

Prorektor Prof. Dr. Tomás Bayón hatte Olemotz zu Beginn des Abends vorgestellt. Der promovierte Betriebswirt, Jahrgang 1962, startete einst als Vorstandsassistent bei der Westdeutschen Landesbank, bevor er 2007 als Finanzvorstand zu Bechtle kam. Seine Empfehlung an die Studierenden des mittlerweile zweiten Semesters: sich auf schnellen Wandel einstellen und ein Leben lang nicht mit dem Lernen aufhören. Verabschiedet wurde er mit langanhaltendem Applaus.

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