Von Redaktion, Fotos: aim
Die Akademie für Innovative Bildung und Management Heilbronn-Franken (aim) lädt am 11. Juli 2026 zum ersten Fachtag »Mutig miteinander Ganztag gestalten« ein. Im Zentrum steht eine Berufsgruppe, die selten im Rampenlicht arbeitet: die Ganztagsbetreuungskräfte an Grundschulen. Verantwortet wird das Format von Jasmin Traum, die seit 2025 bei der aim den Bereich Ganztag leitet. Sie verbindet darin wissenschaftliche Perspektive und Praxisnähe.
Im deutschen Bildungssystem gibt es eine Berufsgruppe, die viel leistet und wenig Aufmerksamkeit erhält. Die Ganztagsbetreuungskräfte begleiten Kinder nach dem Unterricht, sie strukturieren Nachmittage und gestalten einen wichtigen Lebensraum. Häufig arbeiten sie ohne klassische pädagogische Ausbildung. Zudem fehlen ihnen oft Formate, die sie fachlich stärken und untereinander vernetzen. Genau hier setzt der neue Fachtag der aim am Bildungscampus Heilbronn an.

Eine Stelle, die zur Praxis passte
Jasmin Traum kam 2025 zur aim. Ursprünglich stammt sie aus der frühen Bildung. Dabei sind ihr Kindertageseinrichtungen vertraut, die in der Regel ebenfalls Ganztagseinrichtungen sind. Als im Team Schule der aim die Stelle für den Bereich Ganztag frei wurde, beschäftigte sich Traum gerade im Rahmen eines Lehrauftrags intensiv mit dem Feld. Je tiefer sie einstieg, desto klarer wurde der Befund. »Im Ganztag passiert gerade unglaublich viel und es gibt enormen Entwicklungsbedarf«, sagt sie im Kurzinterview der aim.
Parallel zu ihrer Arbeit am Bildungscampus promoviert Traum an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg. Dort ist sie seit Januar wissenschaftliche Mitarbeiterin an einem großen Evaluationsprojekt zur zusätzlichen Sprachförderung vor der Einschulung. Beide Felder hängen miteinander zusammen. So geht es im Ganztag ebenfalls um Bildungsgerechtigkeit, Teilhabe und gute Entwicklungsbedingungen. Sprache spielt dabei eine zentrale Rolle.
Schwierige Bedingungen, wenig Anerkennung
Traum benennt im Interview auch die größten Baustellen im Ganztag deutlich. Personalmangel, knappe Zeit, große Gruppen und unterschiedliche Anforderungen prägen den Alltag. Hinzu kommen multiprofessionelle Teams, in denen gute Abstimmung gefragt ist. Gleichzeitig fehle häufig die Anerkennung für die geleistete Arbeit. Viele Teams arbeiteten zudem sehr isoliert und hätten kaum Möglichkeiten, voneinander zu lernen oder sich fachlich weiterzuentwickeln.
Genau deshalb hält sie Qualifizierung und Vernetzung für besonders wichtig. Auch die Motivation für ihre Arbeit beschreibt sie klar. »Wenn Fachkräfte gestärkt werden, wirkt sich das direkt auf die Kinder aus«, sagt Traum. Darum gehe es letztlich.
»Mutig miteinander Ganztag gestalten«
Der Fachtag am 11. Juli 2026 ist der erste in dieser Form an der aim. Die Idee dazu entstand aus dem direkten Bedarf, den Traum in ihrer täglichen Arbeit beobachtet hatte. So gibt es nach ihrer Einschätzung viele engagierte Menschen im Ganztag, aber bisher nur wenige Formate, die unterschiedliche Perspektiven zusammenbringen.
Der Titel »Mutig miteinander Ganztag gestalten« greift einen Gedanken des aktuellen Bildungsnavis der aim auf. Denn Ganztag funktioniere nur gemeinsam. Unterschiedliche Professionen, Perspektiven und Institutionen müssten zusammenarbeiten. Dafür brauche es Mut, Offenheit und manchmal auch neue Wege.
Programm zwischen Wissenschaft und Praxis
Das Programm verbindet Keynotes, Workshops und einen Markt der Möglichkeiten. So beginnt der Tag mit zwei Keynotes am Vormittag, eine davon hält Dr. Anna-Maria Seemann. Danach folgen zwei Workshop-Runden mit insgesamt elf Angeboten zur Auswahl. Die Themen reichen dabei von Teamentwicklung und gewaltfreier Kommunikation über Kinderschutz und Netzwerkarbeit bis zur Perspektive der Kinder auf den Ganztag selbst.
Auch die Liste der Beteiligten ist breit aufgestellt. So bringen unter anderem die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung, die Stiftung Lesen, die Stiftung Kinder forschen, die Helga Breuninger Stiftung, der Stadt- und Kreisjugendring Heilbronn sowie das Schul-, Kultur- und Sportamt der Stadt Heilbronn ihre Erfahrungen ein. Außerdem ist die experimenta dabei.
Einladung an die ganze Bildungslandschaft
Der Fachtag richtet sich nicht nur an Ganztagsbetreuungskräfte selbst. Auch Leitungen von Ganztagsteams, Lehrkräfte, Schulleitungen, Koordinatorinnen und Koordinatoren, Fachberatungen sowie Mitarbeitende von Städten, Kommunen, Jugendhilfe, Trägervertretungen und weitere Interessierte sind eingeladen. Damit soll die Veranstaltung möglichst viele Akteure rund um den Ganztag in Heilbronn und der Region zusammenbringen.
Traums Wunsch für das Ende des Tages ist konkret formuliert. Die Teilnehmenden sollen mit neuen Ideen, neuen Kontakten und einem guten Gefühl nach Hause gehen. Dazu zählt für sie auch eine wichtige Botschaft. So sollen die Teilnehmenden mitnehmen, dass sie mit ihren Herausforderungen nicht allein sind.
Neuer Lehrgang im Juni
Neben dem Fachtag startet die aim im Juni 2026 zudem eine neue Runde der Qualifizierung Ganztagsbetreuung in Tauberbischofsheim. Der Lehrgang richtet sich an Ganztagsbetreuungskräfte an Grundschulen mit und ohne pädagogische Ausbildung. So vermittelt er praxisnahes Wissen für den Betreuungsalltag und stärkt zentrale Themen wie Kommunikation, pädagogische Haltung, Kinderschutz und Entwicklungsbegleitung.
Damit baut die aim ihr Angebot für den Ganztag in der Region Heilbronn-Franken weiter aus. Außerdem entstehen erste Strukturen, die den Austausch zwischen den vielen Akteuren im Feld dauerhaft tragen sollen.