Von Redaktion, Foto: HHN
Der BWL-Student fährt für sein Training von Böblingen nach Heilbronn – Lebkuchen helfen ihm durch den Winter, und das Rennrad ist Teamsport, nicht Einzelkampf
„Radfahren ist manchmal die allerschönste Sportart und manchmal die schlimmste“, sagt Florian Mast im Interview mit HHN-PR-Redakteurin Gila Hoch. Der 20-Jährige studiert Betriebswirtschaft und Unternehmensführung an der Hochschule Heilbronn – und fährt in der Radbundesliga für das Team Equipe Stuttgart-Vaihingen.
Wenn Mast zur Vorlesung muss, steigt er aufs Rennrad. 90 Kilometer von seinem Heimatdorf bei Böblingen bis nach Heilbronn, den Neckar entlang. „Ich müsste ja sonst sowieso trainieren, das spart dann Zeit“, erklärt er pragmatisch. Fünf bis sechs Mal pro Woche trainiert er auf dem Rad, im Winter kommt Krafttraining dazu.
Der Mythos vom Einzelkämpfer
Mit zwölf Jahren nahm ihn sein Vater zum ersten Mal mit zum Verein in Öschelbronn. „Ich habe damals Fußball gespielt, aber es hat mir nie so richtig gut gefallen“, erzählt Mast. Das Rennrad wurde seine Leidenschaft – aber anders, als viele denken.
„Viele denken beim Radfahren an eine Einzelsportart, weil am Schluss eine Person auf dem Siegertreppchen steht“, erklärt er. „Es ist aber gar nicht möglich, ein Rennen ohne ein Team zu gewinnen.“ Der Großteil des Energieverbrauchs komme vom Luftwiderstand. „Wenn man ein Team hat, dass einen vor dem Wind beschützt, hat man einen enormen Vorteil.“ Oder bei einem Platten: „Ohne Teamunterstützung ist es extrem schwierig, sich wieder an die Spitze vorzuarbeiten.“
Der bisherige Höhepunkt seiner Karriere: Platz drei beim Bundesligarennen in Karbach im vergangenen Jahr. Mit dem Team gewann er dieses Jahr die Race Days in Stuttgart. „Darüber haben wir uns ganz besonders gefreut, da es unser Heimrennen ist“, sagt Mast.
Lebkuchen gegen den Winterblues
Der Winter ist die härteste Zeit. „Es ist schon eine Sportart, die bei schlechtem Wetter wenig Spaß macht“, gibt Mast zu. Seine Strategie gegen den inneren Schweinehund? „Dafür gibt es viele kleine Tricks“, sagt er lachend. „Kaffee zum Beispiel.“
Man müsse viel essen während des Radfahrens, wegen der vielen verbrauchten Kohlenhydrate. „Im Winter hilft es dann, auch mal unkonventionelle Dinge mit ins Training zu nehmen, die helfen, sich darauf zu freuen. Letzten Winter habe ich gerne Lebkuchen zum Training mitgenommen.“ Aber am Ende gelte: „Man muss eben oft einfach durch.“
Das Risiko fährt mit
Bei Abfahrten erreichen die Fahrer Geschwindigkeiten, bei denen ein Sturz „wirklich fies ausgehen kann“, sagt Mast. „Da will man manchmal lieber gar nicht drüber nachdenken.“ Man könne die Sicherheit aber beeinflussen: „Zum Beispiel indem man nicht in jede Lücke reinfährt und möglichst vorausschauend fährt.“ Er selbst habe bisher immer Glück gehabt.
Die Doppelbelastung meistern
Warum Heilbronn? „Da kamen mehrere Aspekte zusammen“, erklärt Mast. Der Studiengang habe ihm zugesagt, er habe „ein großes Interesse an Wirtschaft und wirtschaftlichen Zusammenhängen“. Gleichzeitig biete Heilbronn das Spitzensport-Stipendium. „Für das 2. Semester habe ich vom Spitzensport Stipendium eine Tutorin gestellt bekommen, die mir bei der Prüfungsvorbereitung hilft“, erzählt er. Die finanzielle Unterstützung helfe ebenfalls.
Ein Studium sei neben dem Spitzensport sogar einfacher als eine Ausbildung: „Der Zeitaufwand ist noch höher und je nach Ausbildung auch die körperliche Anstrengung.“
70.000 Kilometer und eine Banane
Mast „sammelt“ seine Fahrten auf einer Website. „Da sieht man dann genau, wo auf der Welt ich schon langgefahren bin“, erzählt er. 60.000 bis 70.000 Kilometer seien es bisher insgesamt. Er plane seine Routen oft so, dass er Strecken fahre, die er noch nicht kennt.
Das Privatleben komme nicht zu kurz: „Viele meiner Teamkollegen sind Freunde. Und auch sonst ist es möglich, noch ein sehr gesundes Privatleben zu führen. Vor allem im Winter.“ Sein Lieblingsessen? Spaghetti Bolognese. Der Snack für unterwegs? „Banane ist ziemlich praktisch beim Radfahren, da die Schale eine natürliche Verpackung ist. Banane geht eigentlich immer.“
Bei einem Etappenrennen in diesem Jahr musste das Rennen an zwei Tagen hintereinander abgebrochen werden. „Dann saßen alle Fahrer circa 3 bis 4 Stunden auf einer Wiese rum und haben gemeinsam gewartet und das Beste daraus gemacht“, erinnert sich Mast. „Das war lustig.“
Es sind solche Momente, die zeigen: Rennradfahren mag manchmal die schlimmste Sportart sein – im Winter, bei Regen, wenn der Körper schmerzt. Aber wenn Mast morgens um sechs auf sein Rad steigt und die 90 Kilometer nach Heilbronn fährt, dann ist es eben auch die schönste.